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Weltkonferenz in Bonn
Der Klimagipfel endet mit Lob und Kritik

Bonn. Die Bonner Konferenz hat das gewünschte Papier erarbeitet, aus dem 2018 Regeln werden sollen. Aber es gibt noch viel zu tun.

Verheerende Tropenstürme, die angekündigte Abkehr der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris und der Kampf beim Thema Kohle: Die Sorgen der armen und reichen Länder sind bei der Weltklimakonferenz in Bonn so heftig wie kaum zuvor aufeinandergeprallt. „Unsere Existenz ist bedroht“, sagte Tafue Lusama, Präsident des Roten Kreuzes im Pazifik-Inselstaat Tuvalu. Ein schon oft gehörter Satz, der sich auf die Auswirkungen des Klimawandels bezieht, die es schon gibt. „Die Extremwetter betreffen das ganze Land und die Nahrungssicherheit“, sagte auch ein Mitglied der Konferenzpräsidentschaft von Fidschi, Deo Saran. Das sei derzeit auf Fidschi schlimmer als der Anstieg des Meeresspiegels – obwohl auf einer Insel schon Menschen in höhere Regionen ziehen mussten.

Wie aus einer anderen Welt klang da die Kanzlerin eines der reichsten Länder der Erde. Angela Merkel erklärte den Vertretern von 195 Staaten, wie schwierig es für Deutschland sei, klimaschädliche Kohlekraftwerke zu schließen. Da gehe es „auch um soziale Fragen und Arbeitsplätze“, sagte sie. Und es klang fast entschuldigend: „Ich will Ihnen nur sagen, dass auch in einem reichen Land wie wir es sind, darüber natürlich erheb­liche Konflikte in der Gesellschaft sind. Und die müssen wir lösen.“

Ein Hauptstreitpunkt der Konferenz aber war bis zuletzt das Geld, das reiche Staaten den ärmeren zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels geben sollen. Die Entwicklungsländer wollten zum Beispiel längerfristige Zusagen über ein Jahr hinaus. Die Industrieländer hielten dagegen, sie könnten ihre Haushalte nicht so lange planen. Wegen solcher Debatten wurde am Freitag mit Verhandlungen mindestens bis tief in die Nacht gerechnet. Generell ging es oft darum, inwieweit die Industrieländer anerkennen, dass durch den Klimawandel Schäden in ärmeren Staaten entstehen. Eine Verantwortung für die Folgen des Klimawandels wollen die reichen Staaten in keinem Fall übernehmen, aber sie haben ein kleines Trostpflaster außerhalb der Verhandlungen ausgebaut.



Am Rande der Konferenz startete ein breites Bündnis für eine Art Versicherung gegen Klimaschäden. Die globale Partnerschaft unter anderem aus der Weltbank, Deutschland und besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten soll ärmeren Menschen bei Unwetterkatastrophen schnell helfen. „Es ist begrüßenswert, dass es überhaupt mal Hilfe gibt in der Bewältigung von klimabedingten Schäden. Aber diese müsste verpflichtend sein und nicht nur freiwillig“, sagte Sabine Minninger von Brot für die Welt. „Zudem deckt sie nur Wetterextreme ab und nicht langfristige Veränderungen wie Meerspiegelanstieg und Verwüstung.“ Nicht dabei ist Deutschland allerdings bei der Allianz von rund 20 Staaten für den Kohleausstieg, die sich am Rande des Gipfels formierte.

Hauptaufgabe der mehr als 22 000 Konferenzteilnehmer aus aller Welt in Bonn waren Papiere, in dem alle Sichtweisen der Staaten festgehalten sind, wie sie die Pariser Klimaziele erfüllen wollen. Das gelang dem Vernehmen nach, wenn strittige Punkte auch noch offen sind. Aus diesem Texthaufen soll im kommenden Herbst im polnischen Kattowitz das Regelwerk zum Pariser Abkommen entstehen.

Die scheidende deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lobte zum Abschluss der Bonner Weltklimakonferenz den „Geist von Paris“ und sprach von Erfolgen. Umweltschützer sehen das anders, klagten etwa über fehlenden Mut der Teilnehmer.