| 22:27 Uhr

John Bolton
Der härteste Falke im Weißen Haus

Washington. John Bolton ist neuer Sicherheitsberater des Präsidenten. Sein Markenzeichen: Er findet kriegerische Alleingänge der USA gut.

John Bolton redet gern Klartext – und sich dabei um Kopf und Kragen. Ein Beispiel? Die Uno ist nicht viel mehr als ein „Debattierclub“. Maximal werde Gemeinschaft ab und an mal von der einzigen wirklichen Macht dieser Welt angeführt. „Diese Macht sind die Vereinigten Staaten, wir handeln, wenn es in unserem Interesse liegt“, sagt er. Ginge es nach ihm, sollten die USA ganz auf Alleingänge setzen. Wie damals bei der Invasion im Irak. Der Sturz Saddam Husseins habe ein „unmissverständliches Signal der Stärke“ ausgesendet, findet er – und das ist sogar seinen republikanischen Parteifreunden unheimlich.

Donald Trump offensichtlich nicht. Der „America first“-Präsident hat Bolton am Freitag zum nationalen Sicherheitsberater gekürt. Per Twitter. Binnen 14 Monaten nach Michael Flynn und Herbert Raymond McMaster ist der Hardliner jetzt der dritte Mann auf dem Posten. Kurios auch: Überrascht scheint von der Personalie in Washington zumindest niemand.

Mit dem Rauswurf McMasters hatte man schon seit Monaten gerechnet. Der an Disziplin gewohnte Dreisterne-General, der obendrein als Gelehrter in Uniform gilt, seit er die Lehren des Vietnam-Fiaskos in einem Buch zusammenfasste, soll sich permanent gerieben haben an Trumps Sprunghaftigkeit. Angeblich war dann ein Telefonat Trumps mit Wladimir Putin der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. McMaster soll dringend davon abgeraten haben, dem russischen Präsidenten zum Wahlsieg zu gratulieren: Dies schicke sich nicht, angesichts eines derart zweifelhaften Votums. Als sein Einwand publik wurde und die Medien berichteten, soll Trump nach einem Wutanfall kurzerhand die Reißleine gezogen und spontan Bolton den Zuschlag gegeben haben.



Wie auch immer, der Mann mit dem buschigen Schnurrbart wird schon seit Längerem als Anwärter auf einen Kabinettsposten gehandelt. Trump soll sogar überlegt haben, ihm die Leitung des State Department zu übertragen. Dass er es nicht tat, liegt wohl auch daran, dass der Außenminister vom Senat bestätigt werden muss und Bolton mit seiner kompromisslosen, ruppigen Art womöglich durchgefallen wäre. So wie einst, unter George W. Bush. Als der ihn zum UN-Botschafter berief, weigerte sich die Senatskammer, grünes Licht zu geben. Einem Sicherheitsberater dagegen bleibt der Anhörungsmarathon auf dem Capitol Hill erspart. Was Bolton dort erwartet hätte, lässt ein Tweet des Demokraten Ed Markey erahnen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass uns dieser extreme Kriegsfalke in einen weiteren furchtbaren Konflikt schlittern lässt“, schrieb der Senator.

Mit Trump verbindet den 69-jährigen Bolton zuallererst eine tiefe Skepsis gegenüber dem Atomabkommen mit Teheran. Wie sein Vorgesetzter hält er für blauäugig, was unter Federführung Barack Obamas mit den Iranern ausgehandelt wurde. In einem Meinungsbeitrag für die „New York Times“ riet er einmal dazu, das Land zu bombardieren, um es an der Entwicklung von Kernwaffen zu hindern. Was ihn vom Präsidenten unterscheidet, ist sein Plädoyer für resolute Härte im Umgang mit Russland. Und wie er seine bisherigen Kommentare zum Thema Nordkorea mit der geplanten Begegnung zwischen Trump und Kim Jong Un unter einen Hut zu kriegen gedenkt, bleibt abzuwarten.

Noch im Februar hatte Bolton, einst in Yale zum Juristen ausgebildet, in einem Essay für das „Wall Street Journal“ unter der Überschrift „Die Rechtsbegründung für einen Erstschlag gegen Nordkorea“ einer Attacke das Wort geredet. Man müsse präventiv angreifen, bevor Pjöngjang in der Lage sei, amerikanische Städte mit Nuklearraketen zu treffen. Bei Fox News, dem Haussender der Konservativen, wo er regelmäßig die Weltlage bewertet, hatte er den Nordkoreanern unterstellt, ein falsches Spiel zu spielen, wenn sie für den Moment diplomatische Töne anschlagen. „Frage: Woher weiß man, dass Kims Regime lügt? Antwort: Ihre Lippen bewegen sich.“