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50 Jahre nach seiner Ermordung
Der große, friedliche Kampf des Martin Luther King

250 000 Menschen bejubelten Martin Luther King im August 1963 beim Marsch auf Washington. Hier hielt er seine berühmte „I have a dream“-Rede.
250 000 Menschen bejubelten Martin Luther King im August 1963 beim Marsch auf Washington. Hier hielt er seine berühmte „I have a dream“-Rede. FOTO: dpa
Washington. Die Kugel eines weißen Rassisten tötete den schwarzen Bürgerrechtler am 4. April 1968. Der Visionär hatte das kommen sehen. Von Maren Hennemuth

Es dämmerte, als Martin Luther King auf den Balkon des Lorraine Motels in Memphis trat. Das Haus war eines der wenigen, das Schwarze aufnahm. King hielt sich öfters dort auf, er wohnte in Raum 306. Als er auf dem Balkon stand, traf ihn ein Schuss. Eine einzige Kugel. Das war um 18.01 Uhr. Eine Stunde später war King tot. Der Kämpfer, der Hoffnungsträger für Millionen Schwarze. Der Rassist James Earl Ray wurde dafür später als Mörder verurteilt.

Martin Luther King jr. war am 15. Januar 1929 in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zur Welt gekommen. Seine Mutter war Lehrerin, der Vater Prediger. King schrieb später über seine Kindheit, es seien zwei Erlebnisse gewesen, die seinen Glauben in dieser Zeit enorm beeinflusst hätten: der Tod seiner Großmutter und seine erste Erfahrung mit der sogenannten Rassentrennung. Als er und sein weißer Freund mit sechs Jahren in getrennte Schulen für Schwarze und Weiße kamen. Und der Vater des Freundes den Kontakt verbat. Das sei ein großer Schock gewesen, schrieb King später. Nach dem Studium wurde King Pfarrer in Montgomery/Alabama und heiratete seine langjährige Freundin Coretta Scott Williams. Sie bekamen vier Kinder.

Sein Aufstieg zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung begann 1955, als sich die Schwarze Rosa Parks in Montgomery weigerte, ihren Platz im Bus für einen Weißen freizumachen. Sie wurde festgenommen. Es kam zu Protesten. Afroamerikaner boykottierten die Busse, King führte die Aktion an. Die Boykottaktionen erregten weltweit Aufsehen – und endeten mit einem Erfolg: Der Oberste Gerichtshof erklärte die Trennung der Bussitze nach Hautfarben für verfassungswidrig.



King wurde durch die Aktion berühmt. Seine Redekunst half ihm, die Proteste ins ganze Land zu tragen. Höhepunkt war im August 1963 der Marsch auf Washington: Rund 250 000 Menschen, darunter auch Weiße, nahmen teil. „I Have a Dream“, rief King der Menge zu, als er die Vision der Gleichheit von Schwarz und Weiß entwarf.

Es herrschte Aufbruchstimmung in den USA. Der junge Präsident John F. Kennedy hatte bereits im Juni einen Gesetzentwurf zur Gleichberechtigung vorgelegt. Im November wurde er ermordet, doch sein Nachfolger Lyndon B. Johnson führte den Plan zu Ende. Am 2. Juli 1964 wurde der Civil Rights Act verabschiedet, ein historisches Datum in der Geschichte der USA. Auch das Verdienst von Martin Luther King.

Der Mann, dessen oberstes Prinzip Gewaltlosigkeit war, erhielt 1964 den Friedensnobelpreis. Kurz davor, im September, hatte sein Besuch im geteilten Berlin fast eine diplomatische Krise ausgelöst. King war auf Einladung von West-Berlins regierendem Bürgermeister Willy Brandt gekommen, er wollte an einer Gedenkveranstaltung für Kennedy teilnehmen. Aber er wollte auch Ost-Berlin besuchen. Obwohl die US-Vertretung im Westen versuchte, dies zu verhindern und sogar Kings Ausweis einzog, ließen ihn die DDR-Grenzer passieren. King überbrachte seinen Zuhörern jenseits der Mauer Grüße aus West-Berlin und Amerika. Und prangerte die Mauer als Symbol der Teilung an.

Trotz Nobelpreis und Ruhm – Kings Kampf ging weiter: Die Gleichheit in den USA existierte nur auf dem Papier, kam nur schrittweise voran. King erhielt regelmäßig Todesdrohungen. Nach der Ermordung Kennedys sagte er zu seiner Frau, auch ihn werde dieses Schicksal ereilen. So kam es. Am Abend des 4. April 1968 traf ihn die Kugel. Er wurde 39 Jahre alt.

1964 kam der Bürgerrechtler, Pfarrer und Friedensnobelpreisträger King nach West-Berlin, hier mit Bischof Otto Dibelius und Bürgermeister Willy Brandt (v.l.).
1964 kam der Bürgerrechtler, Pfarrer und Friedensnobelpreisträger King nach West-Berlin, hier mit Bischof Otto Dibelius und Bürgermeister Willy Brandt (v.l.). FOTO: dpa