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Gerichtsentscheidung
Deniz Yücel wird nicht entschädigt

„Welt“-Reporter Deniz Yücel.
„Welt“-Reporter Deniz Yücel. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Istanbul/Berlin. Ein türkisches Gericht hat die Klage des deutschen „Welt“-Reporters Deniz Yücel auf Schadenersatz nach einjähriger U-Haft abgewiesen. Das Gericht habe keinen Grund für seine Entscheidung genannt, sagte gestern Yücels Anwalt Veysel Ok. dpa

Yücel werde sie innerhalb einer Woche anfechten. „Wir sind fest entschlossen, diesen Fall so weit zu tragen wie möglich – auch zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.“ Yücel selbst sagte zunächst nichts.

Der Reporter, dessen einjährige Inhaftierung ohne Anklageschrift die deutsch-türkischen Beziehungen schwer belastet hatte, hatte die türkische Regierung Ende August auf 2,98 Millionen Lira Entschädigung (etwa 400 000 Euro) verklagt. Die Summe setzte sich zusammen aus Entschädigungen für Verdienstausfälle und Anwaltskosten sowie Schmerzensgeld wegen Freiheitsberaubung. Yücel hätte nicht festgenommen werden dürfen, sagte Anwalt Ok damals. „Die Regierung und das Gericht müssen einen Preis zahlen für diese Ungerechtigkeit.“ In der Klageschrift heißt es, Yücel sei unter „unmenschlichen Bedingungen“ festgehalten worden. Er saß zum Beispiel lange in Einzelhaft. Dies werde ein Präzedenzfall für andere „unterdrückte Journalisten“, sagte Ok gestern.

Im Februar war Yücel aus der U-Haft bei Istanbul freigelassen worden und durfte ausreisen. Gleichzeitig wurde Anklage erhoben; das Verfahren geht weiter. Der Vorwurf lautet unter anderem auf „Propaganda für eine Terrororganisation“. Ihm drohen bis zu 18 Jahre Haft.