| 22:12 Uhr

Tag der Gegensätze
Demos gegen und für Flüchtlinge in Cottbus

Cottbus. Es sollte eine Art Befreiungsschlag werden. Das brandenburgische Cottbus – seit Wochen wegen einer Ballung von Übergriffen zwischen Deutschen und Flüchtlingen in den Schlagzeilen – geht für ein Leben ohne Angst und Weltoffenheit auf die Straße. Doch nur Stunden später bietet sich an diesem Samstag in der Stadt ein gegensätzliches Bild. Einen Steinwurf entfernt gibt es eine andere Demonstration – gegen Zuwanderung. Sie zieht weitaus mehr Teilnehmer an.

Groll und angestaute Wut tragen viele der Rentner, Ehepaare, jungen Männer und Frauen offen vor sich her. Viele schimpfen über Flüchtlinge. Dicht gedrängt auf dem Oberkirchplatz steht die Menge zusammen. Teilnehmer kommen nicht nur aus Cottbus, sondern auch aus anderen Regionen Brandenburgs und aus Sachsen. Auch AfD-Anhänger sind zu sehen. Unter die Demonstranten an der Oberkirche mischen sich laut Polizei vereinzelt auch Rechtsextreme. Während Beobachter von mindestens 2000 Teilnehmern ausgehen, spricht der Veranstalter gar von mindestens 5000. Die Polizei nennt keine Zahl.

Die Teilnehmer verurteilen die Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche scharf und skandieren immer wieder „Widerstand“ gegen die Ausländerpolitik der Bundesregierung. Auf Transparenten ist unter anderem zu lesen „Die Islamisierung ist wie ein Krebsgeschwür und ist die größte Gefahr für die Menschheit“, „Wir rufen Islam raus“ und „Merkel muss weg“. Das Ganze erinnert an Bilder der rechten Pegida-Demos in Dresden. Nachdem der Tross durch die Innenstadt gezogen ist, steigt bei der Kundgebung Pegida-Chef Lutz Bachmann auf einen Wagen und spricht zur Menge. Die feiert ihn.

Stunden früher: Die andere Cottbuser Demo hofft auf friedliches Miteinander. Auf den Altmarkt als Herzstück der Stadt zieht es gleich zu Beginn geschätzt mehr als 600 Menschen. Im Verlauf werden es nach Schätzungen von Beobachtern einige Hundert mehr, darunter Familien, Flüchtlinge, Rentner, Studenten und Schüler. Ein Flüchtling hat die Demonstration angemeldet. Immer wieder ist zu hören: Cottbus ist keine fremdenfeindliche Stadt. „Das hat Cottbus nicht verdient“, sagt ein Mann. Man wolle friedlich zusammenleben und ein Zeichen setzen, betonen viele. Ein Flüchtling verteilt Rosen, bunte Luftballons sind zu sehen. Die Stimmung ist sehr friedlich, offen, freundlich.



Die Polizei achtet darauf, dass die Gruppen nicht aufeinandertreffen. Größere Polizeifahrzeuge werden quer auf die Straße als Sperre zwischen Altmarkt und Oberkirchplatz gestellt. Nach Aussagen der Beamten verläuft der Versammlungstag in Cottbus insgesamt störungsfrei. Allerdings habe ein 38-Jähriger an verschiedenen Orten den verbotenen Hitlergruß gezeigt. Beamte nehmen den Deutschen in Gewahrsam. Zudem werden einige Personalien aufgenommen.

Der Platz an der Oberkirche in der Cottbuser Innenstadt ist schon lange Ort von Demos der Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ aus dem Spreewald. Dorthin zieht es stets auch AfD-Anhänger – und auch Rechtsextreme. Der Zulauf ist aber immer deutlich geringer gewesen.

Das hat sich geändert, seit es im Januar zu den geballten Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen kam. Die Übergriffe waren offensichtlich auch einer der Auslöser, dass das Land Brandenburg Forderungen der Cottbuser Stadtspitze nachkam und jetzt keine weiteren Flüchtlinge in die Stadt schickt. Cottbus hat deutlich mehr Geflüchtete aufgenommen als viele andere Städte in Brandenburg.