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Kommentar
Das Ende der neuen Ära

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Krise um seinen Sicherheitsbeauftragten trifft den französischen Präsidenten stärker als alle anderen Krisen zuvor. Denn es geht um ihn als Person. Um das „System Macron“: die Begünstigung von Anhängern der ersten Stunde, die für ihre Loyalität bedingungslose Unterstützung erhalten.

„Ungesunde Vetternwirtschaft“ nennt der Polizeipräfekt dieses System. Alexandre Benalla hat als eine Art privater Bodyguard des Präsidenten von dieser Vetternwirtschaft profitiert. Mit einem Dienstwagen, einer luxuriösen Dienstwohnung und einem dicken Gehalt. Die Moral, die Macron wieder in die Politik bringen wollte, blieb dabei auf der Strecke. Und die Aufbruchstimmung, die Emmanuel Macrons Amtsantritt begleitete, droht nun in einer großen Enttäuschung zu enden. Die Benalla-Affäre zeigt hinter dem Wunderkind Macron ein zweites Gesicht. Das eines ehrgeizigen Mannes, der allen misstraut. Nur ein kleiner Kreis darf mit ihm arbeiten. Die Justiz hat sich jetzt der Sache angenommen, und sie zeigt ebenso wenig Erbarmen wie die Nationalversammlung. Beide Gewalten wollen der Wahrheit auf den Grund gehen. Und das ist gut so, denn es geht um mehr als einen Bodyguard. Es geht um die Institutionen der Republik.