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CIA befürchtet iranischen Militärschlag

Bonn. Der Einsatz von US-Aufklärungsdrohnen könnte nach Ansicht von Vertretern westlicher Geheimdienste rasch zu einer Eskalation im angespannten Verhältnis zwischen Iran und dem Westen führen. "Die Iraner könnten sich angegriffen fühlen und dann irgendwie zurückschlagen", erklärte ein CIA-Angehöriger gestern

Bonn. Der Einsatz von US-Aufklärungsdrohnen könnte nach Ansicht von Vertretern westlicher Geheimdienste rasch zu einer Eskalation im angespannten Verhältnis zwischen Iran und dem Westen führen. "Die Iraner könnten sich angegriffen fühlen und dann irgendwie zurückschlagen", erklärte ein CIA-Angehöriger gestern. "Es hätte nicht passieren dürfen, dass die Iraner in den Besitz von unserer modernsten Drohne kommen", meinte der CIA-Vertreter.Der Iran hatte nach eigenen Angaben ein unbemanntes Spionageflugzeug der USA abgeschossen. Demnach war die Drohne an der Grenze im Osten des Landes in den iranischen Luftraum eingedrungen (wir berichteten). In einer Stellungnahme der von den USA geführten Nato-Truppen in Afghanistan wurde bestätigt, dass in der vergangenen Woche der Kontakt zu einer Drohne im Westen des Einsatzgebietes abgebrochen worden sei. Hinter den Kulissen der Bonner Afghanistan-Konferenz wurde gestern "erhebliche Sorge" über den Zwischenfall geäußert, weil die Tarnkappen-Drohne über die "brisanteste westliche Spionagetechnik" verfüge. Das unbemannte Kleinflugzeug war offenbar in Bagram, dem größten US-Stützpunkt in Afghanistan nordwestlich von Kabul, gestartet. Es sollte mit seiner hochqualifizierten technischen Ausrüstung auch Strahlen messen können, die von den iranischen Nuklearanlagen ausgehen, in denen eine Atombombe kurz vor ihrer Fertigstellung stehen soll. dapd



Keine neue Eskalation

Von Merkur-MitarbeiterFriedemann Diederichs

Der Verlust einer unbemannten Drohne über dem Iran ist für die Militärs der Vereinigten Staaten eine peinliche Panne, doch ist es auch eine Eskalation in den ohnehin strapazierten Beziehungen? Wohl kaum. Spionage zwischen Staaten, ob auf dem Boden durch Agenten oder in der Luft, gehört selbst in Friedenszeiten zum globalen Alltag. Die westliche Staatengemeinschaft hat zudem aufgrund des konfrontativen Verhaltens der Teheraner Führung beste Gründe, sich über die Aktivitäten der unberechenbaren Mullahs auf dem laufenden zu halten. Ob diese nun tatsächlich außerhalb des Iran eine "Vergeltungsaktion" durchführen, erscheint sehr fraglich - das Ganze erscheint mehr als verbales Säbelrasseln.