| 23:40 Uhr

Kabinettsklausur zur Digitalstrategie in Potsdam
Drei Milliarden für Künstliche Intelligenz

Bundes­wirtschafts­minister 
Peter Altmaier.
Foto: Nietfeld/dpa
Bundes­wirtschafts­minister Peter Altmaier. Foto: Nietfeld/dpa FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Potsdam. Der Bund will mehr Geld in die Forschung und Anwendung der Künstlichen Intelligenz stecken.

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Milliarden Euro in die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) investieren. „Wir machen mit der KI-Strategie unseren Anspruch deutlich, Deutschland zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz zu machen, sowohl in der Forschung als auch in der Anwendung“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gestern zum Auftakt einer Kabinettsklausur zur Digitalstrategie in Potsdam. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass private Investitionen in gleicher Höhe hinzukämen, so dass bis 2025 insgesamt sechs Milliarden Euro zusätzlich investiert würden.

„Wir wollen, dass in Deutschland mittelständische und exportorientierte Unternehmen bei der Digitalisierung vorangehen, weil wir damit Produktivitätsvorteile erzielen und ein volkswirtschaftliches Wachstum von zusätzlich rund 1,3 Prozent erzielen können“, erläuterte Altmaier. „Das ist mehr als bei allen großen Basis-Innovationen seit Erfindung der Dampfmaschine.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte einen Innovationsschub bei der Digitalisierung. „Deutschland und Europa müssen in Zukunft führender Standort für Künstliche Intelligenz sein“, sagte sie. „Davon hängt ganz wesentlich unser künftiger Wohlstand ab und die Frage, ob und wie wir unsere europäischen Werte von der Würde jedes einzelnen Menschen und dem Schutz der Privatsphäre auch im digitalen Zeitalter verteidigen können.“



Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) will 100 neue Professuren für Künstliche Intelligenz schaffen, „damit wir uns sowohl in der Forschung als auch in der Lehre breiter aufstellen können“. Hierzu wolle man auch ausländische Wissenschaftler nach Deutschland locken, so Karliczek.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mahnte, dafür müsse Deutschland ein tolerantes und weltoffenes Land bleiben. „Bis zum Jahr 2025 werden durch den technologischen Fortschritt, durch Automatisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz ungefähr 1,6 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.“ Dies bedeute laut Heil, dass Arbeitnehmer in großem Maße aus- und weitergebildet werden müssten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte, Deutschland könne bei der Künstlichen Intelligenz mit China und den USA nicht mithalten. „Lediglich 92,4 Millionen Euro investierte der Bund 2017 in die Forschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz“, teilte das IW gestern mit. Auch die EU stelle von ihrem geplanten Haushaltsbudget bis zum Jahr 2027 gerade einmal 0,2 Prozent für Forschung und Entwicklung der Künstlichen Intelligenz bereit. Und der Bundesverband der Deutschen Industrie mahnte „mehr Ehrgeiz und Tempo im Wettbewerb um die Vorreiterrolle in der Digitalisierung“ an.