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Brasiliens Präsident in Washington
Donald Trumps neuer bester Freund im Westen

 Jair Bolsonaro schenkte Donald Trump ein Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft mit Pelés Rückennumer.
Jair Bolsonaro schenkte Donald Trump ein Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft mit Pelés Rückennumer. FOTO: AP / Evan Vucci
Washington. Im Weißen Haus des Donald Trump legt man gesteigerten Wert auf die passende Optik, auf Symbole und Gesten, auf die Kulisse. Geht es um die Inszenierung von Politik, gibt es kaum ein Detail, das Trump dem Zufall überlässt. Von Frank Herrmann

Dazu war er zu lange das Zugpferd einer Reality-Show, dazu weiß er zu gut um die Wirkung der Fernsehbilder.

Beim Treffen mit Jair Bolsonaro, dem Präsidenten Brasiliens, konnte die Sprache der Bilder gar nicht herzlich genug sein. Es gipfelte im Austausch von Fußballtrikots, wobei der Amerikaner nicht irgendeines bekam, sondern jenes mit der Zehn, der Nummer, die Pelé trug. „Wir haben eine fantastische Arbeitsbeziehung“, unterstrich er die Optik mit Worten. Wegen der persönlichen Freundschaft mit seinem Amtskollegen, schwärmte er, sei das Verhältnis zu Brasilien besser denn je.

Der Rechtspopulist Bolsonaro, daran kann nach der Inszenierung kein Zweifel mehr bestehen, ist nicht nur ein südamerikanischer Gesinnungsgenosse Trumps. Er ist dessen bester Freund in der westlichen Hemisphäre. Ein De-facto-Verbündeter, den der US-Präsident in den höchsten Tönen lobt, während er Justin Trudeau, den Premier Kanadas, des tatsächlichen, erprobten Verbündeten, bisweilen behandelt wie einen Schüler, der bei den Hausaufgaben geschludert hat. Überhaupt, die starken Männer. Für Wladimir Putin, Xi Jinping und Recep Tayyip Erdogan findet Trump nur anerkennende Worte, auch wenn seine Regierung Interessenkonflikte mit Russland, China und der Türkei mit aller Härte austrägt. Die anfangs euphorisch zelebrierte Männerfreundschaft mit dem Franzosen Emmanuel Macron ist kühler Distanz gewichen. Von Angela Merkel, die ihrerseits Distanz wahrte, statt Harmonie vorzutäuschen, trennen ihn inhaltlich Welten. Den Alliierten Europas liest er die Leviten, während er einem Jair Bolsonaro verbale Lorbeerkränze bindet.



Der wiederum spricht, wann immer ihm Medienberichte nicht gefallen, in Anlehnung an Trump von Fake News. Bei Fox News, dem Haussender der amerikanischen Konservativen, unterstützte Bolsonaro den Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze, mit einer Rhetorik, die an Trumps Kandidatenpremiere im Juni 2015 erinnerte. Die große Mehrheit der Migranten komme nicht in guter Absicht, „sie hat nicht vor, ihr Bestes zu geben oder dem US-amerikanischen Volk Gutes zu tun“. Dann empfing der ehemalige Fallschirmjäger in der Botschaft seines Landes Meinungsmacher aus dem rechten Spektrum zum Dinner. Neben ihm saß Steve Bannon: Bei Trump in Ungnade gefallen, weil er für ein Buch des Journalisten Michael Wolff aus dem Nähkästchen der Macht plauderte, versteht er sich inzwischen als Regisseur einer populistischen Revolte von Rom bis Rio de Janeiro.

Um die neue Achse zu untermauern, wird Trump dem südamerikanischen Land den Status eines Nicht-Nato-Alliierten zubilligen, was in der Praxis bedeutet, militärisch enger zu kooperieren. Sogar die Aufnahme Brasiliens in die Nato könne er sich vorstellen. Er müsste darüber „mit vielen Leuten“ reden, aber denkbar wäre es, sagte er, bevor ein früherer Kommandeur der Nato die Idee zu einem Rohrkrepierer erklärte. Der Nato-Vertrag von 1949 lasse eine Mitgliedschaft nicht zu, „die Brasilianer würden es gar nicht anstreben, und falls doch, würden die Europäer es ablehnen“, meldete sich Ex-US-Admiral James Stavridis zu Wort. Offensichtlich war es ein Versuchsballon, den Trump gestartet hatte, ohne Rücksicht auf die Details. Die alten Allianzen des Westens, für ihn sind sie schon jetzt überflüssig.