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| 23:20 Uhr

BND-Chef Schindler muss gehen

Berlin. Die Affäre um die Abhöraktionen des Bundesnachrichtendienstes ist noch nicht ausgestanden. Nun macht das Kanzleramt einen Schnitt und wechselt die Führungsspitze aus. Der Opposition dürfte das nicht ausreichen. Agentur

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler , wird abgelöst. Nachfolger wird mit Bruno Kahl ein Vertrauter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ), bestätigten Sicherheitskreise der Deutschen Presse-Agentur gestern Abend einen Bericht von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR. Der Führungswechsel beim BND dürfte heute vom Kanzleramt bekanntgegeben werden. Offiziell bestätigt wurde er am Abend noch nicht.

Ebensowenig klar waren die Gründe für die Ablösung Schindlers. In Sicherheitskreisen wurde vermutet, dass angesichts der Reformdebatten um den BND ein klarer Schnitt signalisiert werden sollte. Der 63 Jahre alte Schindler führt den deutschen Auslandsnachrichtendienst mit seinen etwa 6500 Mitarbeitern seit Anfang 2012, er hätte noch knapp zwei Jahre Dienstzeit bis zur Pensionierung gehabt. In den vergangenen Monaten hatten ihn gesundheitliche Probleme beeinträchtigt. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU ) hatte kurzfristig für den heutigen Tag zu einem Hintergrundgespräch eingeladen. Es werde erwartet, dass bei dieser Gelegenheit der Wechsel verkündet werde, heißt es in den Medienberichten.

Der BND war in den vergangenen Jahren im Zuge der Affäre um illegale Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) und umstrittene eigene Abhörpraktiken schwer in Bedrängnis geraten. Unter anderem war bekannt geworden, dass der BND in seiner Abhörstation in Bad Aibling Suchbegriffe der NSA eingesetzt hatte, mit denen auch europäische Verbündete ausspioniert worden waren. Auch mit eigenen Suchbegriffen soll der BND unzulässig spioniert haben.

Nach langen Ermittlungen in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss stehen dem Dienst tiefgreifende Reformen bevor. Zudem ist der wegen mehrerer Pannen jahrelang verzögerte Umzug der Zentrale von Pullach bei München in die Hauptstadt ebenfalls noch zu bewältigen.

Schindlers designierter 53 Jahre alter Nachfolger Kahl war von 2005 an Leiter des Ministerbüros und Sprecher des damaligen Bundesinnenministers Schäuble und damit einer der führenden Köpfe im Innenressort.