| 20:33 Uhr

Rundungsregelung in Belgien
Der langsame Abschied vom Kupfergeld

 So schnell wohl nicht aus der Welt zu schaffen: Kupfermünzen als Zahlungsmittel.
So schnell wohl nicht aus der Welt zu schaffen: Kupfermünzen als Zahlungsmittel. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Brüssel. Belgien hat Ein- und Zwei-Cent-Stücke weitgehend als Wechselgeld abgeschafft. Begründung: zu teuer. Könnte das auch ein Modell für Deutschland sein? Von Sonja Wurtscheid (dpa)

An manchen deutschen Supermarktkassen wird es schon getan: gerundet. Anstatt sich das Wechselgeld centgenau auszahlen zu lassen, können Kunden es runden lassen und damit einen Kleinstbetrag spenden. Belgien hat das Prozedere zum Gesetz gemacht: Seit Anfang Dezember müssen Geschäfte das Wechselgeld auf fünf Cent auf- oder abrunden. Bezahlen können Kunden aber auch künftig mit den Mini-Münzen. Ist das auch eine Option für Deutschland?

Die belgischen Einzelhändler ziehen zumindest eine positive Zwischenbilanz. Der Einzelhandelsverband spricht fast einen Monat nach der Reform von einem gelungenen Start. „Es gibt insgesamt wenig Probleme“, sagte eine Sprecherin. Nur vereinzelt hätten sich Kunden beschwert oder gefragt, ob nun auch Gewinne aus Sportwetten oder Kartenzahlungen gerundet würden. Nach Angaben des Verbands sparen Händler durch die Reform Kosten. Denn Münzrollen mit Ein- und Zwei-Cent-Stücken zu beschaffen kostet oft mehr, als die Münzen wert sind. Für die Bundesregierung kommt eine Wechselgeld-Reform aber nicht in Frage. „Derzeit ist nicht geplant, in der Bundesrepublik Deutschland eine Rundungsregelung wie in Belgien einzuführen“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Zur Begründung verwies die Behörde auf einen Bericht der EU-Kommission aus dem Jahr 2018. Danach erfreuten sich Ein- und Zwei-Cent-Stücke hoher Akzeptanz.

Ganz abgeschafft werden könnten einzelne Münzen ohnehin nur in der gesamten Eurozone, so das Finanzministerium. Die Stückelung des Geldes sei festgeschrieben. „Die acht Münzen, ein Cent bis zwei Euro, sind in allen Euro-Teilnehmerländern gleichermaßen gesetzliches Zahlungsmittel.“ Gegen Rundungsregelungen im nationalen Bargeldverkehr hat das europäische Recht indes nichts: Neben Belgien gibt es eine solche Regelung unter anderem in den Niederlanden.



Auch in Deutschland wird mitunter auf Mini-Münzen verzichtet. Die Nordseeinsel Wangerooge bekommt seit November keine Ein- bis Fünf-Cent-Stücke mehr von der Volksbank Jever geliefert. Zu hoch seien die Transportkosten. Meist seien die Münzen per Flugzeug gebracht worden, da der Fährverkehr von Ebbe und Flut abhängt.

Der Kleingeldverzicht habe bisher keine negativen Folgen, sagte der Wangerooger Bürgermeister Marcel Fangohr. Die Einzelhändler müssten sich nur selbst um Nachschub kümmern. „Wir müssen mal gucken, wie es Weihnachten und Neujahr läuft, wenn die Insel voll ist“, sagte Fangohr. Andere deutsche Inseln hatten sich dem Modell nicht angeschlossen.

Für Deutsche hat das Barzahlen einen hohen Stellenwert. Doch die Liebe zum Cash bröckelt. Drei von vier Einkäufen bezahlten die Deutschen an der Ladenkasse in bar (74 Prozent), wie die aktuellste Umfrage der Bundesbank dazu von 2017 zeigt. Drei Jahre zuvor waren es noch fast 80 Prozent. „Dennoch gilt unverändert, dass Bargeld (...) das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel (...) in Deutschland ist“, heißt es in dem Bericht zur Umfrage.

Der belgische Einzelhandelsverband würde hingegen am liebsten noch einen Schritt weiter gehen. Es müsse gelingen, einen Großteil der Kleinstmünzen aus dem Verkehr zu ziehen, sagte die Sprecherin. Selbst wenn ein Betrag an der Kasse auf 9,05 Euro gerundet wird, könne der Kunde derzeit 9,06 Euro mit drei Zwei-Cent-Stücken bezahlen. Für das Wechselgeld müssen belgische Händler also noch immer einen Vorrat an Ein-Cent-Münzen vorhalten.