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Habeck und Baerbock wollen an die Spitze
Bei den Grünen droht ein Flügelstreit

 Robert Habeck will Parteichef der Grünen  werden.
Robert Habeck will Parteichef der Grünen werden. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Berlin. Cem Özdemir möchte kein Grünen-Chef mehr sein. Stattdessen bringt sich Hoffnungsträger Robert Habeck aus Schleswig-Holstein in Stellung — und die junge Abgeordnete Annalena Baerbock aus Brandenburg.

Drei Wochen nach dem Ende der Jamaika-Gespräche kommt bei den Grünen Bewegung in die Personaldebatte: Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck will Parteichef Cem Özdemir ablösen. Auch die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock kündigte am Wochenende an, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Die Grünen wählen Ende Januar eine neue Doppelspitze. Özdemir will sich nicht nochmal zur Wahl stellen, Co-Chefin Simone Peter würde gern im Amt bleiben.

Habeck war schon lange als möglicher Erneuerer der Partei im Gespräch. Özdemir und andere Grünen-Promis haben sich für den 48-Jährigen ausgesprochen, den die Basis bereits um ein Haar zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt hätte.

Im Fall seiner Wahl werde er sein Amt als Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein nach einer Übergangszeit aufgeben, sagte er der Berliner Tageszeitung „taz“. Diese müsse „pi mal Daumen ein Jahr“ lang sein. Ein Kreisverband hat für den Januar-Parteitag eine Satzungsänderung beantragt, die auf den Landesminister zugeschnitten scheint: Bisher dürfen Vorstandsmitglieder nicht Mitglied einer Landesregierung sein – im Antrag werden sechs Monate vorgeschlagen.



Die Kandidatur von Habeck und Baerbock, die beide an den Jamaika-Gesprächen von Union, FDP und Grünen beteiligt waren, könnte aber Ärger vor allem beim linken Parteiflügel auslösen. Den Grünen-Vorsitz teilen sich üblicherweise ein Mann und eine Frau, die normalerweise beide Parteiflügel vertreten – den realpolitischen und den linken. Habeck und Baerbock werden aber beide zu den Realos gezählt.

„Bisher sind wir gut mit der Quotierung nach Geschlechtern und Flügeln gefahren“, sagte Parteichefin Peter der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist gut, dass es uns Grünen nicht an geeignetem Spitzenpersonal mangelt, und auch ich werde mich einer Erneuerung nicht in den Weg stellen“, so Peter.

Grünen-Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt begrüßte die Kandidatur Habecks. Die Grünen bräuchten eine starke Parteiführung. „Und ich würde mich freuen, wenn Robert Habeck dabei ist. Er genießt ausgesprochen hohes Ansehen, nicht nur im Norden“, sagte sie der „Welt“. Einen Wettbewerb um die Plätze an der Spitze schloss Göring-Eckardt nicht aus.

Von der Flügel-Logik der Grünen will Baerbock ihre Kandidatur nicht abhängig machen. „Im Bundestag kann man rechts der Mitte die Frauen mittlerweile an ein paar Händen abzählen“, sagte die 36-Jährige der dpa. „Ich fände es fatal, wenn in einer solchen Situation nun auch noch von uns Grünen der Eindruck entstünde, es drehe sich alles um die Männer, und wenn die sich entschieden haben, kommt die Frau an Mr. X‘ Seite.“

(dpa)