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Kommt auch hier ein Rechtsanspruch?
Barley fordert Recht auf Grundschüler-Betreuung

Bundes­familien­ministerin 
Katarina Barley.
Bundes­familien­ministerin Katarina Barley. FOTO: Soeren Stache / dpa
Berlin. Für Vorschulkinder gilt seit nunmehr vier Jahren der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Bei Grundschülern würde eine Ganztagsbetreuung vielen Eltern sehr helfen – doch es liegt noch einiges im Argen. Kann auch hier ein Rechtsanspruch helfen?

(dpa) Gut vier von zehn Grundschulkindern (44 Prozent) haben einer neuen Studie zufolge derzeit kein Betreuungsangebot nach dem Unterricht, obwohl viele Eltern dringenden Bedarf anmelden. Zudem halten 18 Prozent der Väter und Mütter, die eine solche Betreuung für ihre Kinder haben, den Umfang für nicht ausreichend. Dies geht aus einer gestern bekannt gewordenen Prognos-Studie für das Bundesfamilienministerium hervor. Insgesamt wird der Bedarf auf 280 000 Plätze allein für Kinder beziffert, die bisher kein Angebot haben. Für 275 000 weitere Mädchen und Jungen werde ein erweitertes Angebot benötigt.

Nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sollte betroffenen Eltern für bessere Betreuungsmöglichkeiten juristisch und politisch der Rücken gestärkt werden: „Nach dem Rechtsanspruch für Kinder im Kita-Alter müssen wir jetzt den Rechtsanspruch für Kinder im Grundschulalter einführen“, erklärte sie gestern in Berlin. „Gute ganztägige Angebote für Kinder sind wichtig für ein gutes Aufwachsen von Kindern, Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern.“

Inzwischen sagten 65 Prozent aller Eltern und sogar 76 Prozent der Eltern mit Kindern zwischen sechs und zehn Jahren, dass Familienpolitik einen Schwerpunkt auf den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder legen sollte. Barley betonte, sie wolle „die konkrete Ausgestaltung eines Rechtsanspruchs mit den Ländern und anderen Akteuren diskutieren. Dabei muss auch über die notwendige finanzielle Beteiligung des Bundes geredet werden.“



Nach einer Prognos-Sonderauswertung des Mikrozensus 2015, über die zuerst die Zeitung „Die Welt“ berichtet hatte, arbeiten 96 000 Mütter mit Kindern zwischen sechs und zehn Jahren nur deshalb in Teilzeit, weil ein Betreuungsangebot nicht verfügbar oder nicht bezahlbar ist. Bundesfamilienministerin Barley sagte dem Blatt: „Wenn beide Elternteile arbeiten, ist es dann meistens wieder die Frau, die beruflich zurücksteckt und sich nachmittags um die Hausaufgaben kümmert.“

Laut Ministerium versprechen sich die meisten Eltern (83 Prozent) und Lehrer (74 Prozent) bessere Chancen für benachteiligte Kinder durch ganztägige Angebote – vor allem durch eine Hausaufgabenbetreuung. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) machte sich für einen bundesweiten Rechtsanspruch auf die Ganztagsschuile stark. „Es darf nicht vom Bundesland abhängig sein, ob Kinder und Familien dieses Angebot vorfinden“, so Dreyer.

(dpa)