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Jeder kämpft für sich
Maas warnt vor „Spirale nationaler Egoismen“ in Corona-Krise

 „Das Resultat der nationalen Kraftanstrengungen, die jetzt bei uns allen gefordert sind, darf nicht eine Spirale nationaler Egoismen sein“, sagt Maas. Foto: Kay Nietfeld/dpa
„Das Resultat der nationalen Kraftanstrengungen, die jetzt bei uns allen gefordert sind, darf nicht eine Spirale nationaler Egoismen sein“, sagt Maas. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Berlin/Washington. Grenzen werden geschlossen, nationale Krisenpläne aufgestellt: Gegen die Corona-Pandemie kämpft bisher in erster Linie jedes Land für sich. Kann eine Staatengruppe wie die G7 für mehr internationale Koordination sorgen? dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas hat zu mehr internationaler Solidarität im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen.

„Das Resultat der nationalen Kraftanstrengungen, die jetzt bei uns allen gefordert sind, darf nicht eine Spirale nationaler Egoismen sein“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor den für heute geplanten Beratungen der G7-Außenminister. „Im Vordergrund steht für die Bundesregierung, unser Handeln weltweit mit Partnern zu koordinieren und dort solidarisch zu sein, wo auch immer wir Spielräume dafür haben.“

Die Außenminister sieben führender westlicher Industriestaaten schalten sich am Nachmittag zu einer vierstündigen Videokonferenz zusammen. Die rasante Ausbreitung des Coronavirus wird zu den Hauptthemen zählen. Mit Italien zählt das derzeit am stärksten betroffene Land zur G7. Von den USA sagt die Weltgesundheitsorganisation, dass sie das neue Epizentrum der Pandemie werden könnten.



„Nur wenige Staaten wurden bislang so wie die G7-Staaten ins Mark getroffen vom Ausbruch des Coronavirus“, sagte Maas der dpa. „Wer jetzt sieht, vor welche Herausforderung diese Krise die Staaten der G7 trotz all der Wirtschaftskraft und dem geballten medizinischen Know-how stellt, der kann sich ausrechnen, wie schwerwiegend die Folgen andernorts ausfallen können.“

Eine gemeinsame Erklärung der G7 zur Corona-Krise werden die Außenminister aber voraussichtlich nicht beschließen. Nach dpa-Informationen konnte sich die Gruppe, der neben den USA, Italien und Deutschland auch Kanada, Japan, Großbritannien und Frankreich angehören, in Vorgesprächen nicht auf einen gemeinsamen Text einigen.

Zu den Differenzen zählte der Begriff „Wuhan-Virus“, der in dem von den Amerikanern vorgelegten Entwurf auftauchte. US-Außenminister Mike Pompeo hatte ihn auch öffentlich schon verwendet, während Präsident Donald Trump über Tage hartnäckig vom „chinesischen Virus“ sprach. Das brachte ihm den Vorwurf ein, er stigmatisiere China in der Krise und trage zur Ausgrenzung von Chinesen bei. Inzwischen ist Trump von dem Ausdruck abgerückt und ruft nun dazu auf, asiatischstämmige Menschen nicht für die Coronavirus-Krise verantwortlich zu machen.

Das Krisenmanagement des US-Präsidenten weicht bisher deutlich von dem der europäischen Partner ab. Trump hatte anfangs versucht, die Gefahren durch das Coronavirus herunterzuspielen und die US-Bevölkerung zu beschwichtigen. Als die Börsen in den USA angesichts der Pandemie kollabierten, steuerte er aber um und kündigte teils drastische Maßnahmen als Antwort auf die Krise an. Zuletzt vollzog er einen erneuten Kurswechsel und kündigte an, er wolle die USA wegen der Corona-Krise nicht über lange Zeit stilllegen - aus Angst vor einer Rezession.

Die Corona-Pandemie ist bei weitem nicht das einzige Thema der G7-Beratungen. Die Außenminister befassen sich auch mit den Konflikten in Syrien, Libyen, Afghanistan und in der Sahelzone. Maas mahnte, diese Krisen benötigten trotz Corona weiter die internationale Aufmerksamkeit. „In all unserem Handeln ist dabei eines ganz klar: Je vernetzter und koordinierter wir agieren, desto besser können wir die vielen Probleme angehen, wenn die aktuelle Krise einmal ausgestanden ist“, sagte er.