| 17:16 Uhr

Streit um Atomprogramm
Kim unter Bedingungen zu drittem Treffen mit Trump bereit

 Machthaber Kim Jong auf einer Plenarsitzung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas. Foto: KCNA
Machthaber Kim Jong auf einer Plenarsitzung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas. Foto: KCNA
Pjöngjang/Washington. Im Streit um sein Atomwaffenprogramm hat sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un prinzipiell zu einem dritten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump bereit gezeigt. dpa

Allerdings stellte Kim die Bedingung, die USA müssten einen fairen und für beide Seiten akzeptablen Vorschlag für ein Abkommen vorlegen. Er warf den Amerikanern vor, einseitig Forderungen aufzustellen. Bis Ende dieses Jahres wolle er geduldig auf eine „mutige Entscheidung“ der USA warten, wurde Kim am Samstag von den Staatsmedien zitiert. Kim sprach dabei am Freitag bei einer Sitzung der Obersten Volksversammlung - Nordkoreas Parlament. Trump reagierte mit warmen Worten auf Kims Botschaft. Dessen Kritik ließ er unbeantwortet.

Trump und Kim hatten sich erstmals im Vorjahr in Singapur getroffen. Ein zweiter Gipfel folgte Ende Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, doch wurde das Treffen dort vorzeitig abgebrochen, da beide Seiten sich nicht über den Abbau der nordkoreanischen Atomwaffen einigen konnten. Die nordkoreanische Seite verlangte insbesondere eine Aufhebung eines Großteils der Sanktionen.

Nordkorea leidet unter weitreichenden Sanktionen der Vereinten Nationen und der USA. Die US-Regierung will die Sanktionen jedoch beibehalten, solange das mit dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm verbundene Risiko nicht gebannt ist. Die Gespräche gehen weiter. Unklar ist aber, ob und wann es zu einem weiteren Spitzentreffen von Trump und Kim kommt.



Erst am Donnerstag hatte sich auch Trump zu den bisherigen Treffen mit Kim geäußert und einen dritten Gipfel für möglich erklärt. Die bisherigen Gipfel seien „sehr produktiv“ gewesen, sagte Trump bei einem Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In in Washington.

Kim reagierte nun mit der Festlegung einer Frist für die weiteren Verhandlungen. Damit will die kommunistische Führung in Pjöngjang die USA stärker unter Druck setzen. Kim warf den USA in seiner Rede vor, mit einseitigen Forderungen sein Land zur Aufgabe des Atomprogramms zwingen zu wollen. Nordkorea wolle die Probleme durch Dialog lösen, sagte Kim. „Doch der Dialogstil der USA, einseitig ihre Forderungen durchsetzen zu wollen, passt uns nicht, und wir haben kein Interesse daran.“ Die USA müssten ihren derzeitigen „Kalkulationsweg aufgeben und mit einer neuen Kalkulation zu uns kommen“, sagte er demnach. Falls die USA die richtige Haltung an den Tag legten und einen weiteren Gipfel vorschlagen sollten, sei Nordkorea dazu bereit.

Zugleich folgte Kim Trump bei der Einschätzung, dass beide eine „ausgezeichnete“ persönliche Beziehung hätten. Sie könnten jederzeit Briefe austauschen, sagte der Machthaber. Der Gipfel von Hanoi habe jedoch „ernsthafte Fragen aufgeworfen, ob die Schritte, die wir unter unserer strategischen Entscheidung vorgenommen haben, richtig waren“.

In Singapur hatte sich Kim zu einer „kompletten Denuklearisierung“ bereiterklärt, doch fehlten seitdem konkrete Zusagen, bis wann die Atomwaffen abgerüstet werden sollten.

Trump reagierte am Samstag per Tweet fast überschwänglich auf die jüngste Botschaft aus Pjöngjang - trotz der gedämpften Töne Kims. Erneut erklärte der US-Präsident, seine persönliche Beziehung zu Kim sei „sehr gut“, wenn nicht „ausgezeichnet“. Ein drittes Gipfeltreffen wäre gut für das gegenseitige Verständnis, wo beide Seite stünden, betonte er. Zum wiederholten Mal sagte Trump auch, Nordkorea habe enormes wirtschaftliches Potenzial unter Kim. „Ich sehe dem Tag entgegen, der bald kommen könnte, wenn Atomwaffen und Sanktionen beseitigt werden können“, schrieb er weiter. Nordkorea könne dann eine der erfolgreichsten Nationen der Welt werden. Auf die Kritik des nordkoreanischen Machthabers ging Trump in seinem Tweet nicht ein.

Die Oberste Volksversammlung hatte Kim am Donnerstag als Vorsitzenden der Kommission für Staatsangelegenheiten und damit auf dem höchsten Staatsposten bestätigt. In seiner Rede warf Kim Südkorea vor, mit dem Versuch zwischen Pjöngjang und Washington zu vermitteln, zu weit zu gehen. Er rief das Nachbarland auf, sich stärker auf die Entwicklung der innerkoreanischen Beziehungen zu konzentrieren.

Als Reaktion auf Kims Rede erklärte das Büro des südkoreanischen Präsidenten, die Regierung werde weiterhin alles dafür tun, „den derzeitigen Impuls für einen Dialog zu erhalten und dabei zu helfen, dass die Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea zu einem frühen Zeitpunkt wiederaufgenommen werden“.

Trump-Tweet I

Trump-Tweet II