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Auslieferungsprozess gegen Wikileaks-Gründer
Im Assange-Prozess geht es auch um Pressefreiheit

 Unterstützer des Wikileaks-Gründers fordern dessen Freilassung.
Unterstützer des Wikileaks-Gründers fordern dessen Freilassung. FOTO: AP / Matt Dunham
London. Der Prozess über den US-Auslieferungsantrag für Wikileaks-Gründer Julian Assange bringt Dutzende Menschen auf die Straßen. Eine Auslieferung wäre für sie ein Angriff auf die Pressefreiheit.

Am ersten Tag im Prozess über den Auslieferungsantrag für Julian Assange hat der Anwalt der US-Regierung dem Wikileaks-Gründer die Gefährdung von Menschenleben vorgeworfen. Durch die illegale Veröffentlichung sensibler Daten seien US-Informanten in Ländern wie dem Irak oder Afghanistan in Gefahr gebracht worden getötet zu werden, sagte James Lewis. Am zweiten Prozesstag äußerte sich jetzt Assanges Anwalt zu den Vorwürfen und bezeichnete sie als unwahr.

Assanges Unterstützer sehen in den Vorwürfen einen Angriff auf die Pressefreiheit. Dutzende Demonstranten hatten sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt und forderten lautstark die Freilassung des 48-Jährigen. „Schießt nicht auf den Überbringer der (schlechten) Botschaft, lasst Assange frei“, stand zum Beispiel auf einem Plakat.

Zu den Prozessbeobachterinnen gehört auch die Bundestagsabgeordnete der Linken Sevim Dagdelen. Sie forderte die Freilassung Assanges auf Kaution. Nur so könne er sich von seiner jahrelangen Isolation erholen und angemessen gegen die Auslieferung verteidigen, sagte Dagdelen. „Der Journalist wird seit Jahren systematisch diffamiert, dämonisiert, verfolgt und isoliert“, so Dagdelen weiter.



Die Anhörungen laufen noch bis zum Ende der Woche und sollen dann erst im Mai für weitere drei Wochen fortgesetzt werden. Assange sitzt zurzeit im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Osten Londons.

Eine Auslieferung Assanges an die USA wäre nach Ansicht der Organisation Reporter ohne Grenzen „ein Angriff gegen die Pressefreiheit“. „Assanges Ergebnisse gehören an die Öffentlichkeit“, sagte der Geschäftsführer des deutschen Ablegers, Christian Mihr.