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Analyse
Das Virus vertieft die Kluft zwischen USA und China

Washington. (ap) Schuldzuweisungen und bittere Beschimpfungen: Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Peking werden durch die Coronavirus-Krise auf eine weitere Probe gestellt. Von Mattew Lee

Am Dienstag vertiefte sich der Bruch zwischen Washington und Peking noch weiter, als China die Ausweisung einer Reihe US-amerikanischer Journalisten ankündigte. Seit dem Ausbruch des Virus haben US-Präsident Donald Trump und seine Mitarbeiter, darunter Außenminister Mike Pompeo, ihre Kritik an China immer weiter verstärkt. Wiederholt bemerkten sie, dass der Ausbruch zuerst in der chinesischen Stadt Wuhan Ende 2019 festgestellt wurde. Sie bezeichneten das Coronavirus bei mehreren Gelegenheiten als „Wuhan-Virus“ oder „chinesisches Virus“ und missachteten damit die Terminologie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die vermeidet, das Virus geografisch zu verorten.

Allein am Dienstag sprach Trump über den Ort des Ausbruchs bei mindestens zwei Veranstaltungen und bestritt, dass die Verortung irgendein Stigma beinhalte. In einer Pressekonferenz des Außenministeriums sprach Pompeo sechs Mal vom „Wuhan-Virus“ und legte nahe, die Chinesen versuchten, die Welt von ihren Verfehlungen der Anfangszeit der Epidemie abzulenken, indem sie die strengen, später ergriffenen Maßnahmen hervorhöben, die halfen, den Ausbruch einzudämmen.

Experten sehen eine gewisse Berechtigung dieser Einschätzung. „Sie haben in den ersten sechs bis sieben Wochen einige grobe Fehler gemacht, und sind dann mit einer gewaltigen Quarantäne hart getroffen worden“, sagt J. Stephen Morrison, Direktor der Gesundheits-Forschungsinstitution Zentrum für Globale Gesundheitspolitik in der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies in Washington. „Und jetzt kontrollieren sie das Narrativ, dass dies ungemein erfolgreich war, und unterdrücken alle anderen kritischen Gedanken über das was passiert ist, die es womöglich gibt“, sagte er Reportern in einer Telefonkonferenz.



Die Chinesen dagegen, die im Handelskrieg zur Zielscheibe Trumps wurden und von Pompeo und anderen wegen der Unterdrückung von Muslimen und anderen religiösen und ethnischen Minderheiten angeprangert wurden, beschweren sich lautstark: Möglicherweise habe in Wirklichkeit das US-Militär das Virus in Wuhan eingeführt. „Kürzlich haben einige amerikanische Politiker das neue Coronavirus mit China in Verbindung gebracht, um China zu stigmatisieren. Wir äußern starke Empörung und Widerstand dagegen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, am Dienstag. „Wir fordern die USA dringend auf, ihre Fehler sofort zu korrigieren und ungerechtfertigte Anschuldigungen gegen China zu stoppen.“ Das wiederum führte zu wütenden Protesten. Das US-Außenministerium zitierte den chinesischen Botschafter herbei und ließ diesen Pompeos Wut erneut spüren. „Die Desinformationskampagne, die sie fahren, ist darauf ausgerichtet, die Verantwortung abzuwälzen“, sagte Pompeo. „Jetzt ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen.“ Zumindest nicht für China. „China hat falsche Informationen herausgegeben – dass unser Militär es (das Virus) ihnen gegeben hat“, sagte Trump. „Das war falsch.“

Kurz nach diesen Bemerkungen kündigte das chinesische Außenministerium den Ausschluss von Reportern von „Wall Street Journal“, „New York Times“ und „Washington Post“ an. Dieser Schritt sei eine Reaktion auf „unangemessene Unterdrückung, die die chinesischen Medienorganisationen in den USA erfahren“. Trumps Regierung hatte fünf chinesische Medien als ausländische Missionen eingestuft und die Zahl der Chinesen, die dort arbeiten, beschränkt.