Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 23:22 Uhr

Atom-Gipfel sorgt sich um Belgien

US-Experten drängen Belgien seit langem, das Atommaterial im Kraftwerk Doel zu reduzieren. Foto: Julien Warnand/dpa
US-Experten drängen Belgien seit langem, das Atommaterial im Kraftwerk Doel zu reduzieren. Foto: Julien Warnand/dpa FOTO: Julien Warnand/dpa
Washington. Es ist ein Alptraum für Regierungen und Behörden rund um die Welt: Atommaterial in Händen von Terroristen. Tausende Tonnen sind verfügbar. Und wie steht es eigentlich um Obamas „atomwaffenfreie Welt“? dpa-MitarbeiterMartin Bialecki

Eine einzige Quelle würde reichen. Leider gibt es Tausende. In Krankenhäusern, in Forschungseinrichtungen, in der Industrie: Rund um den Globus wird radioaktives Material verwendet, in der Summe viele tausend Tonnen. "Jedes Bestrahlungsgerät liefert genug Nuklearmaterial", stellt ein Bericht in Washington kühl fest: Aus den gleichen Isotopen, die lebensrettende Krebsbehandlungen ermöglichten, könnten Terroristen eine schmutzige Bombe bauen. Dies ist nur eines der heiklen Themen des Gipfels für nukleare Sicherheit, für den Staats- und Regierungschefs aus über 50 Ländern nach Washington gekommen sind.

US-Präsident Barack Obama warnte zum Auftakt des Gipfels vor den Gefahren eines atomaren Terrorismus: "Kein Zweifel: Wenn diese Verrückten ihre Hände an dieses Material bekommen, würden sie so viele Menschen töten wie möglich."

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Terroristen eine schmutzige Bombe detonieren lassen, ist viel höher als eine improvisierte Atombombe, weil es einfach so viel Nuklearmaterial gibt", sagt Andrew Bieniawski von der Nuclear Threat Initiative. Und stellt fest: Die 23 Staaten, die nach dem 2014er Nukleargipfel das jüngste Abkommen unterschrieben haben, repräsentieren nur gut die Hälfte aller Länder, die überhaupt am Gipfelprozess beteiligt sind. Eine atomwaffenfreie Welt war eines der blumigen Versprechen von Obama. Obamas Soll, 2009, Prag: "Ich erkläre Amerikas Verpflichtung, Frieden und Sicherheit einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben."

Der Ist-Stand, 2016: Neun Staaten besitzen über 17 000 Atomwaffen . Geschätzt 7700 allein die USA, 8500 Russland, dazu kommen Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel (nicht offiziell) und Nordkorea. Staaten, auf deren Gebiet sich vermutlich oder sicher Nuklearwaffen befinden: Deutschland, Belgien, Italien, Niederlande, Türkei. Allen Abrüstungsbeteuerungen zum Trotz wird weiter massiv in die Modernisierung der Arsenale investiert, bleiben Atomwaffen zentraler Teil der Abschreckung. Es ist angesichts der weltweiten Bedrohungslage nicht davon auszugehen, dass sich daran etwas ändert.

Gipfel für Nuklearsicherheit waren Obamas Idee. Es ist nicht so, dass nach Prag die vergangenen drei Gipfel nichts gebracht hätten: Tausende Kilogramm hoch angereicherten Urans wurden aus dem Verkehr gezogen, mehr als ein Dutzend Staaten löste seine Bestände auf. Aber viele andere eben nicht. Und: Von 100 Prozent aller Bestände hoch angereicherten Urans sind ganze vier zivilen Charakters. Der Rest: militärisch. Russland ist in Washington gar nicht dabei. Präsident Wladimir Putin hatte wenig Neigung, sich im auf nahe Null abgekühlten Verhältnis zu den USA in einen von Obama geführten Prozess einsortieren zu lassen. Nun versucht der Gipfel, wenigstens das vorhandene Nuklearmaterial so gut sichern zu lassen wie möglich. Dazu werden Experten um die Welt geschickt. Von diesen reisten einige auch nach Europa. Ihr Ziel: Belgien. Belgien bekümmert die US-Experten schon länger. Seit Jahren versuchen sie, Brüssel dazu zu bewegen, ihre Nuklearbestände zu reduzieren. Die "New York Times" zitiert einen Bericht, wonach Belgien dermaßen zerfasert und desorganisiert sei, dass man für die Sicherheit seiner Atomanlagen Schlimmes befürchte.