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Südafrika und Angola
Worum es bei Merkels nächster Afrika-Reise geht

 Kanzlerin Merkel war schon oft in Afrika. Hier 2016 im Niger.
Kanzlerin Merkel war schon oft in Afrika. Hier 2016 im Niger. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin. Mehr als ein Dutzend Mal war sie schon auf dem Kontinent, jetzt folgen zwei weitere Stationen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reist an diesem Mittwoch nach Südafrika und dann weiter nach Angola. Von Hagen Strauss

Afrika lässt die Bundeskanzlerin nicht los.

Mal ging es um die Flüchtlingskrise, mal um die Terrorismusbekämpfung, dann um Entwicklungszusammenarbeit und Stabilisierung. Jetzt auch um den Klimaschutz. Vor allem in Südafrika. 90 Prozent der Stromversorgung wird dort durch Kohle erzielt, schon seit 2013 gibt es zwischen Deutschland und Südafrika eine Energiepartnerschaft. Merkel war zuletzt 2007 und 2010 in der Hauptstadt Pretoria. Aus Regierungskreisen hieß es, Südafrika sei mit Blick auf erneuerbare Energien sehr an deutscher Technologie interessiert, die man auch anbieten wolle.

Im Tross der Kanzlerin reist daher eine elfköpfige Wirtschaftsdelegation. Gleich nach dem Empfang durch den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa sollen die wirtschaftlichen Beziehungen an einem runden Tisch debattiert werden. Mit ihrer Reise will Merkel zudem ein Signal setzen und den Reformkurs Ramaphosas unterstützen. Er hatte 2018 den umstrittenen Präsidenten Jacob Zuma abgelöst. „Wir treffen auf ein Land, das sich in der Phase der Umorientierung befindet“, heißt es aus Regierungskreisen. In Südafrika gebe es wirtschaftliche Probleme und soziale Spannungen. Zugleich habe das Land eine Führungsrolle inne auf dem afrikanischen Kontinent, demnächst übernimmt es den Vorsitz der Afrikanischen Union. Merkel dürfte daher mit Ramaphosa auch über die Lage in Libyen reden.



600 deutsche Unternehmen sind in Südafrika engagiert, nach China und vor den USA ist Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner. Das Handelsvolumen lag 2018 bei rund 17 Milliarden Euro. Die deutsche Industrie erhofft sich von der Reise neue Kooperationen im Bereich der Erneuerbaren Energien, bei Transport, Logistik, in der Bauwirtschaft und auf dem Sektor der Finanzdienstleistungen. Afrika gilt als weiter stark wachsender Markt.

Die Beziehungen zu Angola sind hingehen noch lange nicht so entwickelt wie die zu Südafrika. Das ölreiche Land leidet erheblich unter dem Preisverfall, das Bevölkerungswachstum mit durchschnittlich 5,6 Kindern pro Frau ist enorm. Nach 30 Jahren der Regentschaft von José Eduardo dos Santos wurde 2017 mit dem neuen Staatspräsident João Manuel Gonçalves Lourenço auch ein neues Kapitel in der Geschichte des Landes aufgeschlagen: Lourenço verfolgt eine Agenda gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Kürzlich gab es Enthüllungen über dubiose Milliardengeschäfte der Tochter von Ex-Staatschef dos Santos – sie gilt als reichste Frau Afrikas. Ob dieser Fall von Merkel thematisiert werden wird, ist offen. Eine Rolle spielen soll indes der Umstand, dass Angola „eine konstruktive Rolle bei der Bewältigung der vielen Konflikte“ in der Region übernehme, betonte Merkels Umfeld.

Nur 25 deutsche Unternehmen sind derzeit in dem kleinen westafrikanischen Staat aktiv. Zwar liegt das Pro-Kopf-Einkommen wegen des Ölreichtums relativ hoch – aber die Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr. Der deutsche Handel mit Angola, das Merkel zuletzt 2011 besuchte, betrug 2018 nur 183 Millionen Euro. Die Kanzlerin und Präsident Lourenço wollen in der Hauptstadt Luanda deshalb ein deutsch-angolanisches Wirtschaftsforum eröffnen.