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Allensbach-Institut
Studie offenbart geringes Vertrauen in gesetzliche Alterssicherung

Berlin. Von Stefan Vetter

Die meisten Rentner in Deutschland sind zufrieden mit ihren gesetzlichen Altersbezügen. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch starke Zweifel, ob das derzeit geltende Rentensystem für die Zukunft taugt. Zu diesem zwiespältigen Befund kommt das Allensbach-Institut in einer aktuellen Untersuchung, die im Auftrag der arbeitgebernahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ entstanden ist. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Untersuchung:

Wie beurteilen die Rentner ihre Lage?

Überdurchschnittlich positiv. Nimmt man die Gesamtbevölkerung, dann sind laut Allensbach 50 Prozent mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage zufrieden. Unter den Rentnern sind es sogar 57 Prozent. Noch vor zehn Jahren war jeder sechste Rentner mit seinen materiellen Verhältnissen völlig unzufrieden. Heute sagt das nur noch etwa jeder achte. Eine Ursache für diesen Trend ist der lang anhaltende Wirtschaftsaufschwung, der sich auch in spürbaren Rentensteigerungen niederschlägt. So haben sich die gesetzlichen Altersbezüge seit 2015 in den alten Ländern um knapp 15 Prozent erhöht. In den neuen Ländern betrug das Plus sogar gut 19 Prozent.



Woher rühren die Zweifel am Rentensystem?

Die Tatsache, dass demografisch bedingt immer weniger Beschäftigte immer mehr Ruheständler finanzieren müssen, mindert das Zutrauen in die Sicherheit der Renten. Immerhin 79 Prozent der Bundesbürger sind hier skeptisch. Nur 15 Prozent glauben, dass die Renten auch langfristig gesichert sind. Von denjenigen, die noch im Erwerbsleben stehen, geht dann auch gut die Hälfte davon aus, sich im Alter einschränken zu müssen. Und etwa jeder Achte befürchtet, seinen Lebensunterhalt dann nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten zu können.

Wie denken die Bundesbürger über Altersarmut?

73 Prozent sagen, dass es vielen Älteren finanziell sehr schlecht gehe. Nur knapp ein Drittel kennt Altersarmut jedoch aus seinem persönlichen Umfeld, wobei sich hier auch die Vorstellung von Armut deutlich gewandelt hat. So war noch Mitte der 1990er Jahre für 23 Prozent der Bundesbürger die Armut auf den Fall der Obdachlosigkeit beschränkt. Heute sagen das nur noch sechs Prozent. Für die Mehrheit beginnt Armut inzwischen nicht erst mit der Abhängigkeit von anderen oder gar dem Wohnungsverlust, sondern bereits mit ernsthaften Schwierigkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten und sich ständig einschränken zu müssen.

Was hilft gegen Altersarmut?

Hier haben die Bundesbürger klare Vorstellungen: 58 Prozent sind für eine Erhöhung des Mindestlohns, 61 Prozent für eine noch stärkere Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten bei der Rentenhöhe, und 68 Prozent befürworten ein Zuschuss zur Rente für Personen, die trotz mindestens 35 Versicherungsjahren nur auf sehr niedrige Altersbezüge kommen. Das derzeit politisch diskutierte Modell dazu ist die Einführung einer Grundrente, die zehn Prozent oberhalb des staatlich garantierten Grundsicherungsbedarfs liegen soll. Konkret wird dieses Vorhaben sogar von 80 Prozent der Befragten befürwortet. Den Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung, wie dies die SPD fordert, lehnen jedoch zwei Drittel ab.