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12 000 Passagiere betroffen
Air Berlin droht mit Einstellung des Flugbetriebs

 Air-Berlin-Chef   Thomas   Winkelmann.
Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. FOTO: dpa / Alban Grosdidier
Berlin. 110 Flüge sind wegen kranker Piloten gestrichen worden. Gewerkschaften wollen Weiterbetrieb.

(afp) Krankmeldung noch auf dem Weg zum Flugzeug: Wegen einer ungewöhnlich hohen Zahl spontaner Krankmeldungen ihrer Piloten hat die Fluggesellschaft Air Berlin über hundert Flüge annullieren müssen. Betroffen waren rund 12 000 Passagiere, wie die insolvente Airline gestern mitteilte. Konzernchef Thomas Winkelmann kritisierte das Verhalten der Mitarbeiter und sprach von einem „Spiel mit dem Feuer“. Und der Generalbevollmächtigte der angeschlagenen Fluggesellschaft, Frank Kebekus, erklärte, die Ereignisse „gefährden das gesamte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung massiv“. Sollte sich die Lage nicht kurzfristig ändern, müssten Betrieb und Sanierungsbemühungen eingestellt werden.

Bis gestern Nachmittag mussten laut Air Berlin 110 der für den Tag geplanten 750 Flugverbindungen gestrichen werden, vor allem Inlandsflüge. Die Fluggesellschaft bedauerte die „Unannehmlichkeiten“. Betroffen waren auch einige Verbindungen der Lufthansa-Tochter Eurowings, die bei Air Berlin Flugzeuge samt Piloten und Crew gemietet hat.

Der „Bild“-Zeitung zufolge handelte es sich um eine koordinierte Aktion der Piloten, die um ihre Arbeitsplätze bangen. Demnach gingen den Krankmeldungen gescheiterte Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Air-Berlin-Geschäftsleitung voraus: In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass die Bemühungen, einen Tarifvertrag zur Ermöglichung eines geordneten Übergangs auszuhandeln, am Montag „abgewiesen“ worden seien. Zur Begründung hieß es, dass durch einen Sozialplan „mögliche Investoren abgeschreckt“ werden könnten. „Für uns ist diese Haltung nicht tragbar“, schreibt VC der „Bild“ zufolge. Ein reine Übernahme von Flugzeugen ohne die Übernahme des Personals sei für die Gewerkschaft „kein akzeptabler Weg“. Cockpit zeigte sich dennoch gestern „überrascht“ von den vielen Krankmeldungen. „Zu keinem Zeitpunkt hat die VC dazu aufgerufen, sich krank zu melden“, stellte die Gewerkschaft klar. Zugleich appellierte Cockpit-Sprecher Markus Wahl an die Mitarbeiter, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Das sei „extrem wichtig“, andernfalls sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch „unmöglich“, sagte er weiter.



Scharfe Kritik kam von Air Berlin: Die Krankmeldungen seien „existenzbedrohend“ für die Airline, sagte Unternehmenschef Winkelmann. Noch während des Crewbriefings vor dem Flug und auf dem Weg zum Flugzeug habe es „zahlreiche Krankmeldungen“ gegeben, erklärte Air Berlin. Dafür habe die Airline „überhaupt kein Verständnis“. „Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro“, fuhr Winkelmann fort und verwies auf die derzeit laufenden „finalen Gespräche mit möglichen Investoren“.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Am kommenden Freitag endet die Frist für interessierte Käufer.

(AFP)