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Weltweiter Ebola-Alarm

Genf/Berlin. Bisher war alle Mühe vergebens, den Ebola-Ausbruch in Westafrika unter Kontrolle zu bringen. Ein 100-Millionen-Programm hat die WHO bereits aufgelegt, nun steuert sie energisch nach. epd

Wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. WHO-Chefin Margaret Chan appellierte eindringlich an die Staatengemeinschaft, gemeinsam und koordiniert gegen die tödliche Infektion vorzugehen. Der schlimmste Ebola-Ausbruch seit vier Jahrzehnten sei ein internationales Gesundheitsrisiko, sagte Chan in Genf .

Das Berliner Robert-Koch-Institut stuft das Ebola-Risiko in Europa als gering ein. Ein Überspringen des Virus durch einen infizierten Fluggast sei nicht auszuschließen, aber unwahrscheinlich, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger. Für die Gesundheitssysteme der europäischen Länder wäre das aber kein dramatisches Problem. Auch Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery sieht die Bundesrepublik hervorragend gerüstet: "Wir brauchen uns in Deutschland vor Ebola nicht zu fürchten."

Bis zum 6. August haben sich 1779 Menschen mit der tödlichen Krankheit infiziert. 961 Menschen sind daran gestorben. Am schwersten wird Sierra Leone von der Epidemie heimgesucht - mit 717 Erkrankungen, von denen 298 tödlich verliefen. Die WHO empfiehlt den von Ebola betroffenen Staaten wie Guinea, Liberia und Sierra Leone tief greifende Maßnahmen wie die Ausrufung des nationalen Notstands und ein umfangreiches Krisenmanagement, um schnell Geld und Material für medizinische Einrichtungen, Quarantäne-Stationen und den Schutz des Gesundheitspersonals bereitzustellen. Auch für Bestattungen sollen Regelungen erlassen werden, um Infektionen durch Berühren gestorbener Ebola-Kranker zu verhindern. Reisende sollen an den Grenzen auf Symptome geprüft werden. Generelle Reiseverbote schloss die Organisation aus. In Sierra Leone und Liberia hat das Militär Landesteile abgeriegelt.

"Ärzte ohne Grenzen " reagierte zurückhaltend auf die Ausrufung des Gesundheitsnotstands. Die Maßnahme "zeigt, wie ernst die WHO den derzeitigen Ebola-Ausbruch nimmt", sagte Bart Janssens, Leiter der Projektabteilung von "Ärzte ohne Grenzen ", in Brüssel. "Aber Stellungnahmen allein retten keine Leben." Auf die WHO-Erklärung müssten jetzt schnellstens konkrete Taten vor Ort folgen. Länder, die über die nötigen Kapazitäten verfügten, müssten sofort Experten für Infektionskrankheiten in die Region schicken, sagte Janssens weiter. Der Generalsekretär des Weltärztebundes, Otmar Kloiber, hat der internationalen Staatengemeinschaft Untätigkeit und Versagen beim Umgang mit der Ebola-Epidemie in Afrika vorgeworfen. Die internationale Gemeinschaft müsse sich fragen lassen, warum sie nicht frühzeitig in die Prävention und die Erforschung von Wirk- und Impfstoffen investiert habe, sagte Kloiber der Berliner "tageszeitung". Kloiber, der seit 2005 im Amt ist, kritisierte die westafrikanischen Staaten, weil sie "ihr Geld anscheinend lieber für Waffen ausgeben als für die Gesundheit ihrer Bevölkerungen". Die Pharma-Industrie interessiere sich deswegen nicht für die Erforschung von Arzneimitteln gegen Ebola, weil sie damit kein Geld verdienen könne, sagte Kloiber: "Aber gerade dann gerät Forschung zur klassischen Aufgabe der öffentlichen Gesundheitssysteme. Leider haben diese in diesem Punkt versagt." Kloiber verteidigte zugleich den Einsatz nicht klinisch erprobter Wirkstoffe an Ebola-Patienten in Westafrika . "Wir haben nichts anderes", betonte er.