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Tote durch illegale Autorennen

Köln. Oft genügt ein Blickkontakt an der Ampel – dann rasen die beiden Fahrer los. Vor allem 18- bis 25-Jährige machen bei illegalen Rennen mit. Es gehe ihnen meist um Imponiergehabe und Angeberei. Dpa-Mitarbeiterinpetra Albers

Sie bringen ihre dicken Karren auf Hochtouren und rasen um die Wette durch die Innenstadt - ohne Rücksicht auf Leib und Leben Unbeteiligter: Nach mindestens zwei tödlichen Unfällen durch illegale Autorennen in Köln im vergangenen Jahr beginnen 2016 die Gerichtsprozesse gegen mehrere mutmaßliche junge Raser. Sie sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Fall eins: Ende März 2015 soll ein junger Mann über eine rote Ampel gerast sein und mit seinem Wagen ein Taxi gerammt haben - zuvor soll er sich ein Rennen mit einem anderen Fahrer geliefert haben. Ein 49 Jahre alter Taxi-Fahrgast erleidet so schwere Verletzungen, dass er später daran stirbt.

Fall zwei: Im April kommt eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben, als sie auf dem Radweg vom Wagen eines Rasers erfasst wird. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen verloren, als er bei einem Rennen seinen Kontrahenten überholte.

Als Folge der Raser-Unfälle gründete die Kölner Polizei im Mai eine Ermittlungsgruppe, um die Szene stärker ins Visier zu nehmen. Die "EG Rennen " habe seitdem bei rund 76 000 Fahrzeugen Tempo-Kontrollen durchgeführt und 9300 Temposünder erwischt, berichtet Polizeisprecher Dirk Weber. Mehr als 100 Autos wurden stillgelegt, weil sie so aufgemotzt waren, dass sie als verkehrsuntauglich galten. Die Stadt Köln installierte an bekannten Raser-Strecken zusätzliche Starenkästen, baute Schwellen in einige Straßen und startete eine Plakataktion. "Es ist ein Kampf mit kleinen Schritten", meint Weber.

Illegale Rennen gibt es immer wieder in ganz Deutschland. Die Fachleute unterscheiden dabei zwischen zwei Arten von Rennen : zum einen organisierte Veranstaltungen mit festgelegtem Start- und Zielort, bei denen manchmal sogar Geldpreise ausgelobt werden. Zum anderen spontane Rennen . Die verlaufen oft so, dass zwei Fahrer an einer roten Ampel Blickkontakt aufnehmen und bei Grün losdüsen: wer zuerst die nächste Ampel erreicht, hat gewonnen.

Die Teilnehmer sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren mit PS-starken Autos. "Da geht es um Imponiergehabe und Angeberei", sagt Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen , Karl-Friedrich Voss, sieht das Motiv der Beteiligten überwiegend in mangelndem Selbstbewusstsein. Häufig hätten die Raser in anderen Lebensbereichen wie Beruf und Familie wenig Erfolg. "Das wollen sie dann mit dem Auto kompensieren", erläutert Voss.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft spricht sich für eine PS-Obergrenze für Fahranfänger aus. Der ADAC will lieber bei der Fahrausbildung ansetzen. Junge Fahrer sollten auch über die Führerscheinprüfung hinaus betreut werden, etwa durch Sicherheitstrainings oder verkehrspsychologische Seminare.