| 23:21 Uhr

Rekord der Michelin-Sterne
Topküche mit Algenkaviar und Täubchen

Potsdam. Es wird bunter in deutschen Spitzenrestaurants. Zugleich steigen die Michelin-Sterne auf ein Rekordhoch.

Vom Algenkaviar bis zur Dorade mit Koriander: Die Deutschland-Ausgabe 2018 des „Guide Michelin“ schmückt 300 Restaurants, und damit mehr als je zuvor, mit Sternen. Außerdem kürten die Tester des Hotel- und Restaurantführers gestern in Potsdam den elften Drei-Sterne-Tempel. Küchenchef Jan Hartwig aus dem „Atelier“ im Münchner Hotel „Bayerischer Hof“ freute sich über die höchste Auszeichnung. „Ich bin total zufrieden“, sagte er und strahlte.

Michael Ellis, internationaler Direktor des Restaurantführers, bescheinigte der hiesigen Gourmet-Szene eine „große Dynamik“ und weiter steigende Qualität. „Deutschland ist im internationalen Vergleich zu einem Top-Standort für hochklassige Küche geworden“, sagte Ellis anlässlich der Sterne-Gala in der Metropolis-Halle in Potsdam-Babelsberg. Die Zahl der Zwei-Sterne-Häuser steigt in der Ausgabe für 2018 auf 39, darunter sind vier neue Häuser. 250 Restaurants erhalten einen Stern.

29 Restaurants dürfen sich neu mit einem Stern schmücken, vier davon in Rheinland-Pfalz: das „Ai Piero“ und das „YOSO“ in Andernach, das „Intense“ in Kallstadt und das „Schwarz Gourmet“ in Kirchheim an der Weinstraße.



Der Direktor des „Guide Michelin“ Deutschland/Schweiz, Ralf Flinkenflügel, bezeichnete den neuen Drei-Sterne-Koch Hartwig als „Shooting Star“ der Szene. Er habe erst vor zwei Jahren den zweiten Stern bekommen. „Er ist nun an einem Punkt angekommen, dass er nicht nur in Deutschland, sondern auch in der internationalen Küche zur absoluten Spitze gehört“, sagte Flinkenflügel. Der 35-jährige Topkoch berichtete: „Bei mir liegt die volle Betonung auf dem Geschmack der Produkte.“ Derzeit gebe es zum Beispiel zarte Taubenbrust, dazu Keule, plus Birne und Zwiebeln.

Erstmals gibt es zwei Restaurants mit einem Stern, die rein vegetarisch kochen: das „Cookies Cream“ (neu) in Berlin und das „Seven Swans“ (Stern bestätigt) in Frankfurt am Main. „Wir kochen unseren Stil seit zehn Jahren im Cookies“, erzählte Chefkoch Stephan Hentschel (35) aus Berlin. Aktuell empfiehlt er ein Gericht mit Algenkaviar.

Frauen sind mit nur neun von 300 ausgezeichneten Küchenchefs und -chefinnen deutlich unterrepräsentiert. Zwei Restaurants unter weiblicher Leitung sind für 2018 hinzugekommen: in Andernach und in Essen mit jeweils einem Stern.

Einen Wechsel aus traurigem Anlass gab es im Restaurant „Sonnora“ in Dreis bei Wittlich. Dort starb im Juli Drei-Sterne-Koch Helmut Thieltges. Weil dort aber weiterhin exzellent gekocht wird, behält das Haus seine Top-Wertung.

(dpa)