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Fast 44 Millionen Tonnen
Mühsamer Kampf gegen illegalen Schrott

Er muss die Nadel im Container-Haufen finden: Der Bremer Hauptkommissar Jürgen Braun auf der Jagd nach illegalen Mülltransporten.
Er muss die Nadel im Container-Haufen finden: Der Bremer Hauptkommissar Jürgen Braun auf der Jagd nach illegalen Mülltransporten. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Bremen. Tausende Tonnen Müll werden jährlich nach Afrika und Asien verschifft. Die Kontrolle ist schwierig. Das soll sich jetzt ändern.

Ob ausrangierte Fernseher, Handys, Kühlschränke oder Altfahrzeuge – für sie alle gilt: Sind sie nicht mehr funktionstüchtig und damit Abfall oder Schrott, dann müssen sie fachgerecht entsorgt werden. Und das nicht in Afrika oder in Asien – sondern von einem zertifizierten Betrieb in Deutschland oder der EU. Soweit die Theorie. In Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und auch in Bremen sieht die Praxis oft anders aus, wie Kontrollen von Polizei und Zoll ergeben. Containerweise geht E-Schrott oft zum „Recyceln“ nach Übersee. Auch für die deutsche Verwertungsbranche ein Verlust.

Wie viel illegal exportiert wird, ist schwer zu schätzen. „Das ist ein Graumarkt. Dezidierte Zahlen sind schwer zu bekommen“, sagt Andreas Habel vom Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling (BVSE). Angesichts der schieren Masse an Containern kämen Zoll und Polizei mit Stichprobenkontrollen kaum hinterher. Das Hamburger Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) schätzte für das Jahr 2008, dass rund 155 000 Tonnen alte Elektrogeräte von Deutschland nach Afrika und Asien exportiert wurden. Ein wesentlicher Teil davon war nicht funktionsfähig, also Schrott.

Dem deutschen Verwertungsmarkt gehen durch die Transporte von illegalen E-Schrott- oder Altautotransporten Sekundärrohstoffe wie Kupfer, Zink, Palladium oder Edelmetalle wie Gold und Silber verloren. Erschwert werden illegale Exporte seit Oktober 2015 mit Inkrafttreten des Elektrogesetzes, das für gebrauchte Elektrogeräte einen Funktionsnachweis vorschreibt. Aber auch hier zeigt die Praxis, dass Nachweislisten für Geräte leicht manipulierbar sind. „Eines der Hauptzielländer für Elektromüll aus der ganzen Welt ist Ghana“, sagt Jürgen Braun von der Bremer Wasserschutzpolizei. Er beschäftigt sich schon lange mit dem Thema „grenzüberschreitende Abfallverbringung“ und hat auch in Ghana Müllhalden besichtigt. „Sightseeing der schrecklichen Art“, erinnert sich der Polizeihauptkommissar. Von sachgerechtem Recycling kann dort keine Rede sein.



Fernseher und Monitore werden einfach ins offene Feuer gelegt. Der Brennstoff: „Altreifen, denn die brennen lange und heiß.“