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Neun Verletzte
Messer-Angriff in Lübecker Linienbus

In diesem Linienbus spielten sich am Freitag im Lübecker Stadtteil Kücknitz dramatische Szenen ab: Ein Mann griff mit einem Messer Menschen an.
In diesem Linienbus spielten sich am Freitag im Lübecker Stadtteil Kücknitz dramatische Szenen ab: Ein Mann griff mit einem Messer Menschen an. FOTO: dpa / -
Lübeck. Bei der Bluttat werden neun Menschen verletzt, der Täter gestellt. Die Hintergründe sind unklar, der Mann schweigt.

Voll besetzt ist der weiße Linienbus auf dem Weg von Lübeck ins Ostseebad Travemünde unterwegs. Viele Menschen sind am frühen Freitagnachmittag auf dem Weg ins Wochenende. Einige wollen möglicherweise zur Travemünder Woche, die am Abend eröffnet werden soll. Plötzlich spielen sich im dem Bus der Linie 30 auf der Travemünder Landstraße im Stadtteil Kücknitz dramatische Szenen ab.

Kurz vor der Haltestelle Bahnhof Kücknitz sticht einer der Fahrgäste mit einem Messer auf andere Fahrgäste ein. Um 13.47 Uhr wird die Polizei alarmiert. Der Fahrer reagiert geistesgegenwärtig: Er stoppt den Bus und öffnet die Türen, damit die Menschen fliehen können. Dann können andere Mitfahrer den Angreifer überwältigen.

Beamte nehmen den mutmaßlichen Täter kurze Zeit später fest, sperren die Umgebung der Bushaltestelle weiträumig ab. Der Täter befinde sich in Polizeigewahrsam, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. Und Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) sagt am späten Nachmittag bei einem Besuch des Tatorts: „Mein letzter Stand ist, dass es neun Verletzte gibt: sechs durch Messerverletzungen.“ Am Abend spricht die Polizei von zehn Verletzten.



Die Hintergründe der Tat und auch ihr genauer Ablauf sind am Freitagabend noch unklar. Der mutmaßliche Täter hat bislang die Aussage zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen verweigert. „Der Tatverdächtige hat sich bisher zu den Vorwürfen nicht eingelassen“, sagte Hingst. Der Mann sollte voraussichtlich heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft will einen Haftbefehl wegen versuchter vorsätzlicher Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung gegen den 34-Jährigen erwirken. Laut Hingst ist der Mann im Iran geboren, hat aber schon seit vielen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Er lebt in Lübeck. Weitere Angaben zu seinem Werdegang machte sie zunächst nicht.

Der mutmaßliche Täter hatte einen Rucksack dabei, der im Bus angezündet wurde. Darin war Brandbeschleuniger. Hinweise auf einen Sprengsatz gibt es nicht. Er habe furchtbares Geschrei gehört, sagt Anwohner Lothar Heuer. „Als ob zwei Völker aufeinander losgehen.“ Dann sei er zum Helfen losgeeilt. Die „Lübecker Nachrichten“ zitieren eine Augenzeugin des Geschehens: „Eines der Opfer hatte gerade seinen Platz einer älteren Frau angeboten, da stach der Täter ihn in die Brust. Es war ein Gemetzel.“ Die Augenzeugin wird nach der Gewalttat von der Polizei betreut. Ein Anwohner schildert das Geschehen so: „Die Passagiere sprangen aus dem Bus und schrien. Es war furchtbar.“ Rätselraten herrscht am Freitagabend noch über die Motive des mutmaßlichen Täters. „Nichts ist auszuschließen, auch kein terroristischer Hintergrund“, sagt Hingst. Es gebe aber keine solchen Hinweise.

Innenminister Grote und Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) machen sich am Tatort selbst ein Bild von der Lage. Lindenau spricht anschließend von „einer entsetzlichen Tat“. Grote war ohnehin bereits in der Gegend. Er wollte ursprünglich an der Eröffnung der Travemünder Woche teilnehmen.

Nun recherchieren die Ermittler den Hintergrund des mutmaßlichen Täters. „All dieses läuft momentan, sowohl mit der Polizei als auch dem Verfassungsschutz“, sagt Grote. Die Behörden prüften, ob es verdächtige Verbindungen des Mannes gebe. „Aber nach derzeitigem Stand ist dies zumindest jetzt nicht bekannt“, so der Innenminister von Schleswig-Holstein.