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Party über den Wolken
Mega-Party in der Schwerelosigkeit

Die Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug macht einzigartige Tanzbewegungen möglich.
Die Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug macht einzigartige Tanzbewegungen möglich. FOTO: DLR / dpa
Frankfurt. In einem Airbus, mit dem normalerweise Astronauten trainieren, steigt morgen die erste Club-Party über den Wolken. dpa/afp

Wenn sich die Tür hinter den Partygästen geschlossen hat, gibt es kein Zurück mehr. Morgen steigen 20 Freiwillige zusammen mit drei DJs und zwei Astronauten der europäischen Raumfahrtagentur Esa am Frankfurter Flughafen in ein Flugzeug, das sie wenig später mit einem schwindel-
erregenden Auf und Ab in Schwerelosigkeit versetzen wird – nach Angaben des Veranstalters Big City Beats der erste Schwerelos-Club weltweit.

Inwieweit tatsächlich Partystimmung an Bord aufkommen kann, hängt auch davon ab, wie die Gäste die achterbahnartigen Flugmanöver verkraften, mit denen normalerwese Astronauten trainiert werden. Morgen früh startet der Airbus in Frankfurt zu einem rund vierstündigen Flug. Über dem Atlantischen Ozean westlich von Frankreich geht es dann in die Schwerelosigkeit, allerdings immer nur für wenige Sekunden. Dort fliegt die Partymaschine in eineinhalb Stunden 15 Parabelflüge. Dabei steigt der Flieger steil auf, um sich dann wie in einer Parabelform für einen kurzen Moment praktisch im freien Fall zu befinden. Übertragen werden soll das Ereignis live per Facebook-Stream.

Nach den Plänen des Veranstalters sollen die Feiernden beim „­World­ Club Dome Zero Gravity“ insgesamt mehr als fünf Minuten ohne eigenes Körpergewicht durch die Kabine schweben können. Ein Gefühl, das glücklich und euphorisch mache, wie Esa-Astronaut Thomas Reiter berichtet: „Das ist ja so ein bisschen ein Menschheitstraum, der Traum vom Fliegen.“ Manchen Menschen werde allerdings zunächst übel, ähnlich wie bei der Reisekrankheit. Sie sollten sich in der Schwerelosigkeit zunächst langsam und vorsichtig bewegen. Forschung in Schwerelosigkeit liefere wichtige Erkenntnisse für die Medizin, sagte Reiter. Darauf wolle die Esa mit ihrer Party-Beteiligung hinweisen: Sie findet am zehnten Jahrestag des Starts des Esa-Weltraumlabors Columbus statt. Das Labor ist Teil der Internationalen Raumstation ISS.



Nicht nur Partygäste, auch Privatleute können an solchen Flügen teilnehmen – rund 6000 Euro und mehr kostet das für Privatleute. Zu den Kosten der Airbus-Party hat sich der Veranstalter nicht geäußert. Die Tickets hatte Big City Beats unter mehr als 30 000 Bewerber im Rahmen eines Gewinnspiels ausgegeben. Von jedem Kontinent wurden Partygäste ausgewählt. Sie mussten in einem 20-sekündigen Video erklären, warum gerade sie dabei sein sollten. Bedingung war auch ein Gesundheitscheck mit EKG. Die 18- bis 33-jährigen Gewinner kommen laut Veranstalter unter anderem aus den USA, Brasilien, Marokko, Spanien, Asien und Australien.

Der Psychologe Marcus Roth, Experte unter anderem für „Sensation Seeking“, dem Bedürfnis nach Stimulation durch neuartige und abwechslungsreiche Erfahrungen, kann sich zwei Gründe vorstellen, warum die Partygäste an Bord steigen: große Neugierde und das Gefühl, etwas Ultimatives und Einmaliges zu machen. „Wahrscheinlich sind einige Nerds mit an Bord, die sich schon lange für Astronomie interessieren. Es ist ja auch ein unglaublicher Erkenntnisgewinn, eine einmalige Chance, den Zustand der Schwerelosigkeit zu erleben“, sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen.

Was die DJs aus der Elektro- und House-Szene – Armin van Buuren, Steve Aoki und das Duo W&W – an Bord auflegen, wie sie das überhaupt bewerkstelligen und ob sie sich von Titeln wie „Über den Wolken“ oder „I believe I Can Fly“ inspirieren lassen, dazu machte der Veranstalter vor dem Flug keine Angaben. Van Buuren ist schon gespannt auf die Tanzeinlagen in der Schwerelosigkeit: „Ich denke, es wird wirklich lustig aussehen.“ Es könne einzigartige Tanzbewegungen geben – wie Drehungen in der Luft, die normalerweise niemand auf der Tanzfläche vollbringen könne. Alkohol gebe es während des Partyflugs nicht, hieß es. Erst nach der Landung könnten die Gäste auf ihr Erlebnis anstoßen.