| 20:51 Uhr

Matthias Maurer fliegt zur ISS
Ein saarländisch-galaktischer Traum wird wahr

  Mit dem Weltraumanzug kennt er sich schon aus, bald braucht er ihn wirklich: Matthias Maurer wird der nächste Deutsche auf der ISS.
Mit dem Weltraumanzug kennt er sich schon aus, bald braucht er ihn wirklich: Matthias Maurer wird der nächste Deutsche auf der ISS. FOTO: Stephane Corvaja/Esa / Stephane Corvaja
Oberthal. Jetzt steht es fest: Matthias Maurer wird der erste Saarländer im All. Ein Datum gibt es noch nicht. Die Freude ist aber schon groß. Von Sarah Konrad

Mit dem Mond hat der Tagebau im saarländischen Güdesweiler nun wirklich nichts gemeinsam. Gut, überall liegen Steine herum und die Oberfläche ist mit einer Staubschicht überzogen. Aber sonst? „Wir möchten auf dem Mond ja auch Ressourcen nutzen. Das bedeutet, wir müssen Material abbauen“, erklärt Matthias Maurer. Daher sei es für ihn interessant gewesen, sich den Steinbruch in dem Oberthaler Ortsteil mal genauer anzusehen. Bei seinem Heimatbesuch stapfte der Astronaut daher kürzlich in Wanderstiefeln über das Gelände und ließ sich vom Geschäftsführer der Saarfeldspatwerke den Prozess vom Rohmaterial zum Endprodukt erläutern.

Gut zwei Wochen ist dieses optionale Geologie-Training nun her. Und seit Dienstag steht fest: Der 49-Jährige wird definitiv der nächste Deutsche im Weltraum sein. Seine erste Mission führt den Saarländer allerdings nicht zum Mond, sondern zur Internationalen Raumstation (ISS). Das verkündete Jan Wörner, Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur (Esa), beim Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress in Darmstadt. Bislang war bei Maurer neben einem Flug zur ISS auch noch die chinesische Raumstation im Gespräch. Aber: „Die ISS ist wesentlich anspruchsvoller. Dort haben wir ja schon 20 Jahre Erfahrung“, sagte Maurer kürzlich in einem Merkur-Interview. „Die Chinesen beginnen jetzt erst, zwar mit einem hohen Anfangsniveau. Aber dennoch ist die ISS vom wissenschaftlichen Standpunkt deutlich interessanter.“

Wann genau Maurer dorthin abheben wird, steht laut Esa-Generaldirektor Wörner noch nicht fest. Derzeit ist der italienische Esa-Astronaut Luca Parmitano auf der ISS. Als nächstes sei ein Flug des Franzosen Thomas Pesquet geplant, hieß es. Doch Maurer ist schon länger zuversichtlich, dass er seine galaktische Reise spätestens 2021 antreten darf. „Vergangenes Jahr, als ich mit dem Training fertig war, hatten wir eine kleine Veranstaltung. Dabei hat der Esa-Chef gesagt, dass ich in drei Jahren oben sein werde“, ver­riet Maurer kürzlich. Er werde – das ist zumindest jetzt der Stand – mit den neuen amerikanischen Kapseln fliegen. „Aber die Amerikaner haben Verzögerung, diese einsatzbereit zu bekommen.“ Sein Flug könnte sich also noch verschieben.



Die Freude im Saarland war am Dienstag aber schon mal groß: Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) schwärmte: „Nun haben wir bald einen leibhaftigen Saarländer im Weltall, worauf die Menschen hier besonders stolz sind.“

Die Internationale Raumstation hat Maurer bereits während seiner Astronauten-Ausbildung bis ins kleinste Detail kennengelernt – theoretisch. „Wir haben in der Raumstation viele Module und jedes Modul hat verschiedene Labore. In unserem europäischen Modul gibt es unter anderem ein Physik-, Chemie-, Medizin- und Biologielabor. Da muss man sich erst einmal einarbeiten“, sagte Maurer jüngst. Der Saarländer erfuhr, was auf der ISS erforscht wird. Er probte Notfallszenarien, übte den Außeneinsatz und bereitete sich darauf vor, Dinge an Bord zu reparieren. „Dieser Teil der Ausbildung dauert richtig lange, weil man die ISS wirklich von vorne bis hinten kennenlernen muss“, weiß der Weltraumpilot. Zusätzlich standen Parabel-Flüge auf seinem Stundenplan, bei denen er übte, sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Er brachte ein Überlebenstraining in Schweden hinter sich, kletterte mehrere Tage lang durch eine Höhle auf Sardinien und simulierte zwei Wochen lang eine Mars-Mission in einer Unterwasserstation vor der Küste Floridas.

„Man ist in der Ausbildung schon oft am Kämpfen. Aber es ist ja auch das Ziel, uns immer wieder an unsere Grenzen zu bringen“, blickte Maurer damals zurück. Er hatte sich im Jahr 2008 bei der Esa beworben und alle Tests bestanden. Trotzdem schaffte er es zunächst nicht ins Astronautenkorps, rückte erst 2017 nach. Mittlerweile lebt und arbeitet der promovierte Materialwissenschaftler in Köln. Bei der Esa leitet er mehrere Projekte und büffelt zudem fleißig Chinesisch und Russisch. In den nächsten Monaten wird er sich auch weiterhin auf seine Missionen im All vorbereiten. So steht bereits die nächste Geologie-Einheit an. „An einer italienischen Universität werden wir uns im Labor Mondproben aus Norwegen ansehen“, sagt Maurer. Denn obwohl sein nächstes Ziel ISS lautet, hat der Saarländer seinen Traum noch nicht aufgegeben: der erste Europäer auf dem Mond zu werden.