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SATC-Star macht Politik
Macht Miranda bald Politics and the City?

Cynthia Nixon kandidiert für den Gouverneursposten in New York. Die Rolle der Miranda (rechts) in „Sex and the City“ machte sie berühmt.
Cynthia Nixon kandidiert für den Gouverneursposten in New York. Die Rolle der Miranda (rechts) in „Sex and the City“ machte sie berühmt. FOTO: dpa / Craig Ruttle
New York. Cynthia Nixon wurde als Anwältin in „Sex and the City“ berühmt. Jetzt will sie Gouverneurin von New York werden. Christina Horsten, dpa

„Ich bin eine Miranda und ich wähle Cynthia“ steht auf den Taschen und T-Shirts ihrer Unterstützerinnen: Fast 15 Jahre nach dem Ende der Erfolgsserie „Sex and the City“ will Cynthia Nixon, die darin die Karriere-Anwältin Miranda Hobbes gespielt hat, Gouverneurin des Bundesstaats New York werden. Die Schauspielerin will Kinoleinwand und Rampenlicht gegen die Bühnen der Politik eintauschen. Heute tritt sie gegen Amtsinhaber Andrew Cuomo in der Vorwahl um die Kandidatur für die demokratische Partei an. Die Gouverneurswahl ist dann für den 6. November angesetzt.

Doch was heißt es im Jahr 2018 eine Frau wie Miranda zu sein? „Es bedeutet, dass man sich und sein Leben selbst definiert, dass man zu dem steht, was richtig ist und dass man andere Frauen unterstützt“, sagt Nixon. „Für mich bedeutet es, meine Leidenschaft für Gerechtigkeit überall – vor allem in der Bildung und bei der Reform des Strafjustizsystems – zu nutzen, um meinen Heimatbundesstaat New York zu einem besseren Ort für alle zu machen. Deswegen bewerbe ich mich als Gouverneurin. Ich denke, Miranda würde Cynthia Nixon als Gouverneurin unterstützen.“

Der Wechsel von der Schauspielerei oder aus dem Musik-Business in politische Ämter ist in den USA nicht unüblich. Bekanntestes Beispiel ist US-Präsident Ronald Reagan, der von 1981 bis 1989 regierte. Er war vor seiner politischen Laufbahn beim Studio Warner Bros unter Vertrag und hat in Dutzenden Filmen und TV-Serien mitgespielt. Kaliforniens früherer Gouverneur Arnold Schwarzenegger (2003-2011) spielte in den „Terminator“-Filmen mit und gewann einen Golden Globe. Beide wurden mit einem Stern am „Walk of Fame“ in Hollywood ausgezeichnet.



Ihr Kollege Clint Eastwood war in den 90er Jahren zwei Jahre Bürgermeister des kalifornischen Küstenstädtchens Carmel. Und auch der derzeitige US-Präsident Donald Trump hat mit der TV-Show „The Celebrity Apprentice“ vor seiner Politik-Karriere Kamera-Erfahrung gesammelt.

In Deutschland engagierte sich der frühere „Tatort“-Kommissar Peter Sodann für die Partei Die Linke und trat im Mai 2008 erfolglos für das Amt des Bundespräsidenten an.

Der Vorteil für bekannte Persönlichkeiten, die sich für eine politische Karriere entscheiden, ist ihr gekonnter Umgang mit der Öffentlichkeit. Der Nachteil: Mangelnde Politik-Erfahrung und ein bereits existierendes Bildschirm-Image, das vielleicht nicht unbedingt der Realität entspricht und vielleicht auch nicht von allen gemocht wird.

Cynthia Nixon war schon lange vor „Sex and the City“ in der Branche erfolgreich. Bereits als Teenager stand sie vor der Kamera. Nixon, die an der New Yorker Upper West Side lebt, hat zwei Kinder aus einer früheren Beziehung mit Danny Mozes. Sie ist seit 2012 mit der Aktivistin Christine Marinoni verheiratet. Das Paar hat einen Sohn.

Die Politikwissenschaftlerin Ester Fuchs von der New Yorker Columbia Universität steht dem Vorhaben von Nixon kritisch gegenüber. „New Yorker sind keine Kalifornier – wir sehen Bekanntheit nicht als Qualifikation für ein politisches Amt an“, sagte sie dem „Guardian“. „Die Menschen in dieser Stadt sind sehr übersättigt – sie lassen sich von Berühmtheit nicht so blenden.“

Mit Amtsinhaber Andrew Cuomo hat Nixon, die sich schon vor ihrer Kandidatur vor allem zu bildungspolitischen Fragen öffentlich geäußert hatte, einen starken Gegenkandidaten. Cuomo ist beliebt, hat die Unterstützung großer Geldgeber und Verbände und lag bislang in allen Umfragen deutlich vor Nixon.

Cuomo sei ein „korrupter Konzern-Demokrat“, warf die 52-Jährige ihrem Herausforderer bei einer Fernseh-Debatte vor. Der 60-jährige Amtsinhaber, dessen Vater ebenfalls Gouverneur von New York war und der für eine dritte Amtszeit antreten will, kritisierte die mangelnde Erfahrung seiner Herausfordererin. „Meine Gegnerin lebt in der Welt der Fiktion, ich lebe in der Welt der Fakten.“

Nixons Name sei zwar sehr bekannt, sagt die Politikwissenschaftlerin Fuchs. „Aber das bedeutet nicht auch gleich Unterstützung – und das hat sie vielleicht durcheinander gebracht.“

Cynthia Nixon (rechts) mit ihren Schauspiel-Kolleginnen Sarah Jessica Parker, Kristin Davis und Kim Catrall (von links) bei der Premiere von „Sex and the City 2“ in London.
Cynthia Nixon (rechts) mit ihren Schauspiel-Kolleginnen Sarah Jessica Parker, Kristin Davis und Kim Catrall (von links) bei der Premiere von „Sex and the City 2“ in London. FOTO: dpa / Daniel Deme
US-Präsident Ronald Reagan war vor seinem Amt in Filmen und im Fernsehen zu sehen.
US-Präsident Ronald Reagan war vor seinem Amt in Filmen und im Fernsehen zu sehen. FOTO: picture alliance / dpa / EPA/JUSTIN LANE/Ron Sachs
Clint Eastwood war in den 90er Jahren Bürgermeister einer Küstenstadt in Kalifornien.
Clint Eastwood war in den 90er Jahren Bürgermeister einer Küstenstadt in Kalifornien. FOTO: dpa / Shawn Thew