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Luca Toni gewinnt Kirchensteuer-Prozess

München. Von einer Kirchensteuerpflicht in Deutschland hat Luca Toni nie gehört. Auch seine Steuerberater sollen ihm davon nichts erzählt haben. Jetzt müssen sie für einen Teil der Steuer seiner Zeit beim FC Bayern aufkommen. Rudolf Stumberger (kna),der dpa

Die Urteilsverlesung dauerte nicht einmal drei Minuten. Im nüchternen Ambiente des Sitzungssaals E37 am Münchner Oberlandesgericht gab Richter Johannes Nagorsen die Entscheidung der Berufungsverhandlung bekannt. Der Ex-Bayern-Spieler Luca Toni bekommt von seinen ehemaligen Steuerberatern eine Entschädigung von rund 1,25 Millionen Euro bezahlt (AZ 15 U 2063/14). Einen kleineren Teil der Steuersumme, etwa 450 000 Euro, muss Toni selbst zahlen. Von 2007 bis 2010 stürme Toni erfolgreich für den FC Bayern. Für die richtige Motivation auf dem Spielfeld sorgte ein durchaus stattliches Gehalt von 500 000 Euro pro Monat - netto. Auf diese Einkünfte sollte Toni rund 1,5 Millionen Euro an Kirchensteuer an das Katholische Kirchensteueramt nachzahlen, plus 200 000 Euro Säumniszuschlag. Daraufhin verklagte der Sportler seine ehemaligen Steuerberater auf Zahlung von rund 1,6 Millionen Euro . Sein Argument: Diese hätten es unterlassen, ihn als Ausländer auf die Erhebung der Kirchensteuer hinzuweisen, die es so nur in Deutschland gibt. Hätte ich gewusst, wie teuer es ist, hier Katholik zu sein, wäre ich sofort ausgetreten", sagte Toni.

Das Oberlandesgericht entschied nun zu Tonis Gunsten, wenn auch mit verminderter Entschädigungssumme. Die Begründung des Urteils steht noch aus, sie geht erst den Streitparteien zu. Dann können die beklagten Steuerberater entscheiden, ob sie eine Nichtzulassungsbeschwerde einlegen wollen, um den Fall in der nächsten Instanz erneut vor Gericht zu verhandeln.

Dem Richterspruch vorausgegangen war der Streit über eine falsch ausgefüllte Rubrik auf einem Fragebogen im Jahr 2007 durch eine Sekretärin des FC Bayern. Im Mai 2007 hatte der Fußballverein den aus der Nähe von Modena in der Emilia-Romagna stammenden katholischen Fußballprofi eingekauft. Die Ablösesumme gegenüber dem AC Florenz betrug elf Millionen Euro .

Mit den Bayern hatte Toni eine Nettolohnvereinbarung von 500 000 Euro monatlich getroffen, für die Abführung von Steuern und sonstigen Abgaben war der Club verantwortlich. Nach Vertragsabschluss meldete der Fußballer beim Münchner Einwohnermeldeamt seinen Wohnsitz an. Im Formular füllte besagte Sekretärin hinsichtlich der Lohnsteuerklasse die Frage nach der "Religion" mit einem waagrechten Strich aus. Weil also ohne Religion, zahlte der Verein auch keine Kirchensteuer .

Ein Jahr später allerdings tauchte in einem Steuerfragebogen, ausgefüllt durch Tonis Steuerberater , das für römisch-katholisch stehende Kürzel "r.-k." auf einmal auf. Und in der Tat ist der Italiener getaufter Katholik. Das Katholische Kirchensteueramt verschickte daraufhin Zahlungsbescheide zur Kirchensteuer , die sich schließlich inklusive eines Säumniszuschlages von 200 000 Euro insgesamt auf 1,7 Millionen Euro für die Jahre 2007 bis 2010 belief. In diesem Jahr wechselte der Fußballer Luca Toni zu dem italienischen Fußballclub Hellas Verona, ein Aufhebungsvertrag befreite den FC Bayern von jeglichen Forderungen.