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In den Schweinen liegt die Kraft

Linz. Die Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden, ist gar nicht so einfach. Wenn Stress überhand nimmt, können Meditation und Yoga helfen – oder Schweine. Beobachten, heißt die Zauberformel. dpa-MitarbeiterinYvonne Stock

Auf der Suche nach Ruhe und Entspannung gehen manche Menschen ungewöhnliche Wege. Wie Matthias Oppermann in Linz am Rhein: Er bietet Meditation mit Schweinen an. Acht Teilnehmer sitzen gerade mit ihm auf Gartenstühlen in einer Gruppe von sechs Göttinger Minischweinen. Und schauen den Tieren zu.

Schnüffelnd laufen die Schweine über die Wiese, ihre Bäuche schleifen fast über dem Boden, die Schwänze permanent in Bewegung. Zu den Meditierenden bleiben sie meist auf Abstand. Im Stall blöken Schafe, ein Eichelhäher ruft aus der Luft, Wasser plätschert in einem Teich. Doch nicht alle beobachten nur die Schweine, einige schauen einfach ins Grüne oder schließen die Augen. Schnaubend reibt sich ein Tier an einem Stück Holz, einige Teilnehmer lächeln.

Die Schweine hätten eine natürliche Kraft in sich und lebten immer im Hier und Jetzt, erzählt der Sozialpädagoge und Hypnotherapeut Oppermann. "Viele Teilnehmer erleben eine beruhigende Wirkung der Tiere." Hektische Menschen hätten keine Chance, dann ergriffen die Tiere die Flucht.

Oppermann erzählt, dass Meditierenden auf der Wiese in Linz plötzlich durch den Kopf schieße, was zu Hause noch alles erledigt werden müsse. Mit einer sogenannten Achtsamkeitsübung lenkt er dann ihre Aufmerksamkeit erst auf ihre Hände und dann auf die Geräusche. Dann beobachten die Teilnehmer die Tiere.

Zusammen mit seiner Frau Andrea hat er seit 1993 eine Beratungspraxis. Was Tiere für den Menschen bedeuten, sei bei ihrer Arbeit ein wichtiger Aspekt. Daraus sei 2011 der Verein Artis entstanden. Mittlerweile biete er die Meditation mit Schweinen ein Mal im Monat an. 70 Teilnehmer waren es in diesem Jahr schon.

Kursteilnehmerin Edith Oehms ist von den Schweinen begeistert: "Wenn man sich darauf einlässt, ist alles andere weg." Sie habe Ruhe gefunden und sei bei sich angekommen. Auch Iris Klesing meint: "Man beobachtet sonst nicht in der Tiefe, weil immer noch so viele Gedanken da sind."