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Hohe Infektionsrate unter Ebola-Helfern

Genf. Die Ebola-Epidemie stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor enorme Probleme. Auch wegen mangelnder Ausrüstung haben sich extrem viele Helfer infiziert. Ein Experte wirft der WHO vor, viel zu spät reagiert zu haben. Agentur

Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika haben sich medizinische Helfer in beispiellosem Ausmaß mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte , Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern in Genf mit.

Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. "Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler", erklärte die WHO.

Der Kampf gegen die Epidemie wird nach Angaben der Vereinten Nationen durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte der UN-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr. Die UN seien bereit, Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie erheblich auszuweiten. "Aber dies ist nur möglich, wenn die Flüge wieder aufgenommen werden."

Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch nach den Worten des UN-Sonderbeauftragten für die Bekämpfung von Ebola, David Nabarro, immer noch aus. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine "globale Partnerschaft" nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, betonten die UN in einer Mitteilung.

Der Ebola-Mitentdecker Peter Piot warf der Organisation vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele, sagte der belgische Forscher.

"Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen ) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht", kritisierte der Mikrobiologe, der das Ebola-Virus 1976 im damaligen Zaire mitentdeckte. "Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät." Der 65-Jährige warnte, dass die Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher. Für westliche Länder sieht er keine ernste Gefahr.

Wegen Ebola-Gefahr warnte das Auswärtige Amt in Berlin vor Reisen in die nordöstlichen Landesteile der Demokratischen Republik Kongo. Das zentralafrikanische Land verfüge aber über Erfahrungen im Umgang mit Ebola-Epidemien.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schickt Mediziner in das Gebiet. Bislang sei in der Provinz Equateur bei vier Patienten Ebola bestätigt worden, teilte der MSF-Koordinator im Kongo, Jeroen Beijnberger, mit. Die Organisation entsende Ärzte, Krankenschwestern, Logistik- und Hygieneexperten. "Wir wollen die Patienten rasch isolieren und zugleich mit der Fahndung nach Personen beginnen, mit denen sie in Kontakt waren."