| 21:17 Uhr

Höchststrafe für Kindermörder

 Das Auto, in dem die Mädchen verbrannten, wurde in einem Waldstück gefunden. Foto: dpa
Das Auto, in dem die Mädchen verbrannten, wurde in einem Waldstück gefunden. Foto: dpa
Potsdam. Die Kinder mussten sterben, weil ihr Vater es wollte. Der 41 Jahre alte Däne zündete nachts auf einem einsamen Waldweg in Brandenburg sein Auto an und ließ seine beiden Töchter qualvoll darin sterben. Davor waren sie noch zu dritt auf einem Ausflug in Deutschland gewesen Von dpa-Mitarbeiterin Leticia Witte

Potsdam. Die Kinder mussten sterben, weil ihr Vater es wollte. Der 41 Jahre alte Däne zündete nachts auf einem einsamen Waldweg in Brandenburg sein Auto an und ließ seine beiden Töchter qualvoll darin sterben. Davor waren sie noch zu dritt auf einem Ausflug in Deutschland gewesen. Nun muss der Angeklagte lebenslang in Haft - wegen zweifachen Mordes, wie das Landgericht Potsdam gestern verkündet. Das Motiv: Der Däne gönnte seiner Ex-Frau nach einem langen Streit um das Wohnrecht die Kinder nicht.Wie an den vergangenen Verhandlungstagen sitzt der Vater mit gesenktem Kopf im Gerichtssaal. Den Blick nach unten gerichtet und Kaugummi kauend nimmt er das Urteil entgegen. Drei Stunden benötigt der Vorsitzende Richter Frank Tiemann, um die Entscheidung seiner Kammer zu begründen. Seine ruhigen Ausführungen werden nur durch die leise Stimme der Dolmetscherin unterbrochen, die direkt neben dem Dänen sitzt. Im Saal ist es still.

Der Raum ist voll besetzt, es sind zahlreiche dänische Journalisten gekommen. Vor den Fernsehkameras und den Fotoapparaten verbirgt der 41-Jährige vor der Urteilsverkündung sein Gesicht mit einem Blatt Papier. Dreieinhalb Stunden später sagt Verteidiger Thomas Arndt auf die Frage, wie sein Mandant die Entscheidung aufgenommen habe: "Er sagt, er war darauf vorbereitet. Es war keine Überraschung." Dabei hat Arndt auf Totschlag plädiert. Der 41-Jährige habe sich selber töten und seine Töchter mit in den Tod nehmen wollen. Sein Überlebensinstinkt sei jedoch größer gewesen.

Dieser Darstellung des Dänen glaubt das Gericht nicht. "Er war nicht verzweifelt. Er hatte nicht die Absicht, sich unbedingt das Leben zu nehmen", sagt Richter Tiemann. Der Vater habe im August 2011 heimtückisch gehandelt und das Vertrauen der Kinder ausgenutzt, als er ihnen noch auf der Autofahrt vor dem Mord Schlafmittel gab. "Sie nahmen ihre Arglosigkeit mit in den Schlaf." Als er fertig mit seinen Ausführungen ist, wendet sich Tiemann mit einem Appell an den Angeklagten: "Wenn die Reue ernst gemeint ist und nicht nur als hohles Gerede erscheinen soll, dann müssten Sie das Urteil eigentlich annehmen." Nach den Plädoyers hatte der Angeklagte gesagt: "Ich bereue es."



Dass der Richter den Satz unmittelbar nach der Urteilsverkündung gesagt hat, halte er nicht für angemessen, meint Verteidiger Arndt. Er hat dem 41-Jährigen empfohlen, Revision einzulegen. Ob der Däne die Haft in seiner Heimat verbüßt, ist offen. Laut einem Gerichtssprecher ist für eine Prüfung das Oberlandesgericht zuständig. Sein Mandant brauche eine Behandlung, die sei in Dänemark möglich.

Anwalt Matthias Schöneburg vertritt die Mutter der toten Mädchen als Nebenklägerin. Sie sei insofern zufrieden, als dass die juristische Aufarbeitung abgeschlossen sei. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig. "Ich hoffe, dass der Angeklagte nicht in Revision geht", sagt Schöneburg. Die Mutter sei psychisch zu sehr belastet, um das Urteil im Gericht zu hören - deswegen sei sie nicht da gewesen.

Anders als von Schöneburg und Staatsanwalt Peter Petersen gefordert, stellt das Gericht nicht die besondere Schwere der Schuld fest. Auf diese Weise kann nach 15 Jahren geprüft werden, ob die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Richter Tiemann sagt, der Angeklagte sei nicht vorbestraft und habe ein Geständnis abgelegt. Er sagt zudem: "Wer einen Mord begeht, lädt schon außerordentlich schwere Schuld auf sich."

 Das Auto, in dem die Mädchen verbrannten, wurde in einem Waldstück gefunden. Foto: dpa
Das Auto, in dem die Mädchen verbrannten, wurde in einem Waldstück gefunden. Foto: dpa