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Halbzeit beim Zugspitz-Projekt

Deutschlands höchste Baustelle bietet grandiose Fernsicht: Die Nachfolgerin der 1963 fertiggestellten Seilbahn auf die Zugspitze soll am 21. Dezember 2017 eröffnet werden. Foto: Sven Hoppe/dpa
Deutschlands höchste Baustelle bietet grandiose Fernsicht: Die Nachfolgerin der 1963 fertiggestellten Seilbahn auf die Zugspitze soll am 21. Dezember 2017 eröffnet werden. Foto: Sven Hoppe/dpa FOTO: Sven Hoppe/dpa
Garmisch-Partenkirchen. Der offizielle Eröffnungstermin steht bereits fest: Am 21. Dezember kommenden Jahres soll die neue Seilbahn auf die Zugspitze in Betrieb gehen. Seit 15 Monaten laufen die Arbeiten auf der spektakulären Baustelle. Ralf Müller

Diese Baustelle kann viele Superlative für sich in Anspruch nehmen: Sie ist mit Sicherheit die höchste, eine der technisch anspruchsvollsten und spektakulärsten Deutschlands. Außerdem soll der Bau einer neuen Zugspitz-Seilbahn beweisen, dass technisch komplizierte Großprojekte weder den Zeit- wie den Kostenplan überschreiten müssen.

Am 21. Dezember 2017 um neun Uhr soll die Seilbahn der Superlative die ersten Touristen bis hinauf auf fast 3000 Meter Höhe hieven, verspricht Matthias Stauch, Technischer Vorstand der Zugspitzbahn AG, beim Ortstermin in luftiger Höhe. Alles liege im Zeit- und Kostenplan. Freilich könnte Petrus noch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen, wenn er die Arbeiten an Deutschlands höchstem Berg mehr als gewöhnlich durch Sturm, Schnee oder Eis lahmlegen sollte.

Seit 15 Monaten werkeln zahlreiche hoch spezialisierte Unternehmen aus dem Alpenraum an dem ehrgeizigen 50-Millionen-Euro-Projekt. Er habe schon mehr als 20 große Gondelbahnen mitgebaut, sagt Hans-Georg Leitner, Geschäftsführer der Baucon ZT Gmbh, aber so etwas habe er "noch nie gemacht". Die besondere Herausforderung besteht darin, die neue Gondelbahn unmittelbar neben der alten bei laufendem Betrieb zu errichten. Nach wie vor zieht es täglich Tausende Touristen auf die Zugspitze.



So muss beispielsweise die Bergstation für die neuen futuristischen Gondeln mit einem gigantischen quer durch die bestehende Station verlaufenden "Rückspannelement" gesichert werden, damit das ganze Bauwerk nicht gleichsam von der Bahn in den Abgrund gezogen wird. Die neue Bahn kommt mit nur einer einzigen Stahlbaustütze auf, die mit 127 Meter Höhe einen Weltrekord für Pendelseilbahnen aufstellen wird. Die riesigen Fundamente stehen bereits, auch die neue Talstation nimmt Form an.

Weltrekorde erreicht die neue Bahn auch mit ihrem Gesamthöhenunterschied von 1945 Metern und dem weltweit längsten Spannfeld von 3213 Metern. Eines der künftig verwendeten Zugseile wiegt 150 Tonnen. Sie werden mit Schwertransporten vom Bodensee angeliefert und mit den alten in die Höhe gehievt.

Weil es auf dem Gipfelplateau beengt zugeht, müssen die Baumaterialien "just in time" mit einer eigens errichteten Materialseilbahn auf knapp 3000 Meter Höhe gehievt werden, die pro Fahrt bis zu sechs Tonnen bewegen kann.

Mittlerweile ist die Baustelle selbst zur Touristenattraktion geworden. Die Besucher störten sich daran nicht, sondern fragten die Gondelführer "Löcher in den Bauch", berichtet Stauch. Die Zugspitzbahn AG hat darauf reagiert und berichtet im Internet detailliert über die Bauarbeiten und deren Fortschritt.

Das Gedränge auf der Zugspitze dürfte ab 2018 dann noch größer werden als bisher. Denn die neue Seilbahn kann pro Stunde bis zu 600 Personen nach oben und unten schaufeln, während die bisherige nur maximal 120 schafft. Möglich machen es neue große Kabinen mit Stehplätzen für bis zu 120 Personen, während sich in die alten nur 44 zwängen konnten.