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Silvester-Bilanz
Friede, Freude, Feuerwerk — fast überall

Zur Silvesternacht hat die Kölner Polizei ihr Sicherheitskonzept nochmal überarbeitet. Die Feierlichkeiten liefen vorwiegend friedlich ab.
Zur Silvesternacht hat die Kölner Polizei ihr Sicherheitskonzept nochmal überarbeitet. Die Feierlichkeiten liefen vorwiegend friedlich ab. FOTO: Henning Kaiser / dpa
Köln/Berlin. Silvester ist in den Städten Deutschlands größtenteils friedlich abgelaufen. Vereinzelt ist es aber zu Angriffen auf Polizisten gekommen.

„Respect!“ steht in projizierten Riesenbuchstaben auf einer Fassade neben dem Kölner Dom. Es ist das, was sich die viertgrößte Stadt Deutschlands in dieser Silvesternacht dringend wünscht. Und tatsächlich sieht es so aus, als würde es gelingen: Rund um den Dom ist es pickepackevoll. Es feiern alteingesessene Kölner und Migranten, Alte und Junge, Familien mit Kindern. Und mittendrin viele Flüchtlinge. Die Atmosphäre ist entspannt. Dompropst Gerd Bachner sagt: „Wenn sich hier Kölner und Migranten um den Dom versammeln, dann ist das auch ein gutes Zeichen.“

Derweil verkündet Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Kölner Rathaus: „Die Lage ist heute ausgesprochen ruhig und angenehm.“ Die Stadt am Rhein verlangt geradezu nach solchen Sätzen. Die berüchtigte Silvesternacht von 2015/16 mit ihren massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen hat das Image der Stadt nachhaltig beschädigt. Kölner merken das, wenn sie nach Amerika oder Asien in Urlaub fahren. Plötzlich verbinden die Leute dort etwas mit „Cologne“. Aber leider sind es dann nicht immer der Dom oder Karneval.

Vergangenes Jahr war zum Jahreswechsel schon vieles anders gelaufen. Kaum Sexualdelikte, kaum Diebstähle. Kritik gab es trotzdem: Hunderte Menschen seien allein aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermuteten nordafrikanischen Herkunft eingekesselt und kontrolliert worden, kritisierte Amnesty International. Also hat die Polizei nun ihr Konzept erneut angepasst.



An diesem Silvesterabend Ende 2017 werden keine nordafrikanisch oder arabisch aussehenden Männer auf dem Bahnhofsvorplatz festgehalten. Die Polizei achtet lediglich darauf, dass sich dort keine größeren Gruppen bilden. Die Domplatte ist abgesperrt. Wer dorthin will, muss Sicherheitsschleusen passieren und sich gegebenenfalls abtasten lassen. Feuerwerk und Knaller sind in der Schutzzone verboten.

Dann ist es 2018. Die Polizei verzeichnet Schlägereien und Sachbeschädigungen. In neun Fällen ermitteln die Beamten wegen mutmaßlicher Straftaten mit sexuellem Hintergrund – meist geht es um den Vorwurf der Belästigung. Kein Vergleich zu Silvester vor zwei Jahren.

Auch in den weiteren großen Städten blieb die Zahl der Zwischenfälle überschaubar. Auf der Festmeile am Brandenburger Tor in Berlin gab es nach Polizeiangaben vom Montagmorgen insgesamt zehn Fälle von sexueller Belästigung. In Hamburg bewege sich die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe in einem „sehr geringen Maß“, sagte ein Polizeisprecher gestern Morgen. In München sei bis zum frühen Morgen sogar „gar nichts“ Derartiges gemeldet worden, sagte ein Polizeisprecher.

An mehreren Orten sei es aber zu Angriffen auf Polizisten gekommen. In Leipzig hätten 40 bis 50 Personen Flaschen, Steine und Böller geworfen, als die Polizei wegen Bränden mit Wasserwerfern ausrückte. Die Berliner Feuerwehr berichtete von „massiven Angriffen auf Einsatzkräfte und Einsatzfahrzeuge“. Zum Teil sei mit Schusswaffen gedroht worden. Auch in Stuttgart gab es den Angaben zufolge Verletzte, weil Polizisten und Feuerwehrleute mit Böllern und Raketen bei der Arbeit behindert worden seien. Polizeigewerkschaften haben die Angriffe auf Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute und Ehrenamtliche verurteilt. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, sagte, es sei „besonders verwerflich, dass sich Gewalt ausgerechnet gegen jene richtet, die als Polizisten, Sanitäter oder Feuerwehrleute helfen und schützen wollen“.