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Studie vorgestellt
Frauen bleiben Minderheit in Hollywood

Schauspielerin Gal Gadot war 2017 im Kinofilm „Wonder Woman“ zu sehen. Auch in anderen Hollywood-Produktionen übernahmen Frauen die Hauptrolle. Trotzdem mangelt es bei der Besetzung an Vielfalt, so eine Studie.
Schauspielerin Gal Gadot war 2017 im Kinofilm „Wonder Woman“ zu sehen. Auch in anderen Hollywood-Produktionen übernahmen Frauen die Hauptrolle. Trotzdem mangelt es bei der Besetzung an Vielfalt, so eine Studie. FOTO: dpa / Jordan Strauss
Los Angeles. Eine Studie zeigt, dass weiße Männer bei der Besetzung von Kino-Hauptrollen noch immer bevorzugt werden.

In der Hollywood-Industrie mangelt es an Vielfalt, und das muss sich ändern – darüber ist in der jüngeren Vergangenheit viel geredet worden. Aber eine neue Studie belegt, dass sich in der Realität bisher wenig bewegt hat. Demnach sind die populärsten Filme immer noch weitgehend eine Domäne für weiße, heterosexuelle Männer im Besitz ihrer vollen Körperkraft.

Die Studie wurde von der Initiative Annenberg Inclusion an der University of Southern California erstellt. Die Denkfabrik untersucht die Rollenverteilung und Gleichberechtigung in der Unterhaltungsbranche. Ihr am Dienstag veröffentlichter Bericht enthält ernüchternde Zahlen. Demzufolge ist der Anteil weiblicher Sprechrollen in den 100 Topfilmen der vergangenen zehn Jahre mit rund 30 Prozent weitgehend unverändert geblieben.

2017 hatten die drei Filme an der Spitze der Top 100 zwar Schauspielerinnen in der Hauptrolle: „Star Wars: Die letzten Jedi“, „Die Schöne und das Biest“ sowie „Wonder Woman“. Aber insgesamt spielten Frauen in nur 33 Streifen die Hauptrolle oder gehörten zu den Hauptrollen. Frauen nicht-weißer ethnischer Herkunft sind weiterhin besonders benachteiligt, der Annenberg-Bericht spricht in diesem Zusammenhang von einer „Epidemie der Unsichtbarkeit“. Demnach enthielten im vergangenen Jahr 64 der 100 größten Filmhits keine einzige Rolle für Latinas, 65 keine für Asiatinnen und 43 keine für schwarze Frauen. Die Rolle einer Behinderten tauchte in 22 Filmen auf, die einer lesbischen, bisexuellen oder Transgender-Frau in sechs.



„Es war ein bisher einmaliges Jahr mit Filmen auf den Spitzenplätzen in den inländischen Kinos, die von Frauen in der Hauptrolle getragen wurden. Und trotzdem hat sich fast nichts geändert“, sagt Stacy L. Smith von der Annenberg-Initiative. „Alles in allem ist Hollywood für keine Lösung aufgeschlossen.“ Ihre Denkfabrik wertet seit 2007 jeweils 100 Spitzenfilme aus und verfügt somit über Daten von 1100 Produktionen und 48 757 Rollen.

Ein möglicher Hoffnungsschimmer liegt in den gegen sexuelle Übergriffe und Sexismus gerichteten Bewegungen „Time‘s Up“ und „MeToo“, die in den vergangenen neun Monaten fast alle Ebenen der Unterhaltungsindustrie erfasst haben. „Time‘s Up“ wurde von mehr als 300 Künstlerinnen ins Leben gerufen und zielt insbesondere auf Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. 2019 oder 2020 dürften die ersten Jahre sein, in denen sich der Einfluss der Bewegung erstmals in geänderten Praktiken niederschlagen könnte, so Smith.

Der Annenberg-Report listet mehrere mögliche Maßnahmen auf, um einen Wandel voranzutreiben. Darunter ist ein Konzept, jedem Drehbuch fünf Sprechrollen für Frauen hinzuzufügen, um bis 2020 die Gleichberechtigung der Geschlechter im Film zu erreichen. Ein anderer Vorschlag zielt auf Zusatzklauseln bei Vertragsabschlüssen, die Studios dazu verpflichten würden, eine gemischte Crew einzustellen und Rollen vielfältig zu besetzen.

Gerade diese Idee hat bei vielen in der Filmindustrie Anklang gefunden. So sprach Darstellerin Frances McDormand in ihrer Dankesrede nach ihrem Oscar-Gewinn davon, und auch Matt Damon und Ben Affleck haben sich beispielsweise dafür stark gemacht. Aber es hat auch einige Kritik gegeben – manche halten solche Vertragszusätze für rechtswidrig.

Smith widerspricht dem und betont zugleich, primär gehe es darum, „Menschen zur Einsicht zu bringen, dass die Welt, die wir auf der Leinwand sehen, unausgewogen ist und dass es Wege gibt, das Problem zu beseitigen“.

(dpa)