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Foto am Stiel

Stuttgart. Bei Selbstporträts mit dem Handy, sogenannten Selfies, stört vor allem eines – der eigene Arm im Bild. Abhilfe schaffen spezielle Stangen, die vor allem bei Touristen beliebt sind. Doch auch die haben ihre Tücken. dpa-MitarbeiterinAntonia Lange

Die einen schießen sie in der Umkleidekabine, die anderen im Fitnessstudio und so mancher sogar nach dem Sex. Die Rede ist von Selfies, mit dem Smartphone aufgenommenen Selbstporträts, für die so mancher sein Handy inzwischen häufiger nutzt als für einen Anruf. Wäre da nicht ein Problem: der ausgestreckte Arm. Denn wie man das Handy dreht und wendet, irgendwie ist der meistens doch zu sehen. Eine Marktlücke, die zahlreiche Hersteller mit einer Stange schließen wollen - dem sogenannten Selfie Stick.

Das Prinzip ist einfach: Das Handy oder die Kamera werden ans Ende eines ausklappbaren Stabes geschnallt, bis das Gerät hoch oder weit genug in der Luft schwebt, um ein Foto ohne sichtbar ausgestreckten Arm zu schießen. Über Bluetooth oder einen Knopf wird schließlich das Bild ausgelöst.

"Ursprünglich stammen diese Sticks aus dem Bereich der Extrem-Sportarten", sagt Medienexperte Christian Stiegler von der Karlshochschule in Karlsruhe. Sportler nutzen die Stangen, die wie Stative funktionieren, ihm zufolge schon lange, um sich bei ihren Aktivitäten abzulichten. Vorläufer der Selfie Sticks für Nicht-Sportler seien zuerst in Südostasien im Einsatz gewesen.

Inzwischen sind die künstlichen Armverlängerungen längst auch vor Sehenswürdigkeiten von Rom bis Berlin zu sehen. Touristen seien vorm Brandenburger Tor zu Hauf mit den Selfie Sticks unterwegs, wie ein Sprecher von Tourismusverband Visit Berlin erzählt. "Das grassiert hier auch. Gerade Besucher aus dem asiatischen Raum werden häufig damit gesichtet." Zwischen 13 und 45 Euro kostet so ein Stab.

Die Stangen sind bereits so populär, dass sie bei Twitter & Co. unter einem eigenen Suchbegriff (#selfiestick) zu finden sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Nie wieder einen Fremden um ein Foto bitten müssen - und fürchten, dass er kurz darauf mit der Kamera das Weite sucht. Und: Anders als bei herkömmlichen Selfies sind statt nur der Köpfe auch Landschaft oder Bauwerke zu sehen.

Dennoch würde für die Stange nicht jeder eine Lanze brechen: "Der Selfie Stick ist die neue Handy-Gürteltasche", lästert etwa eine Twitter-Nutzerin. "Wenn man nicht gerade Selfies macht, was stellt man damit an?", fragt eine andere.

Und Hand(y) aufs Herz: Statt des ausgestreckten Arms ist bei den meisten Selfies die Stange prominent im Bild. "Selfie Sticks sind reproduzierbare Massenware, die zumindest was Perspektive und Distanz angeht, immer ähnliche Ergebnisse liefern wird", gibt Stiegler zu bedenken. "Dadurch geht den digitalen Selbstporträts ein wesentliches Charakteristikum der Spontanität verloren." Eine Garantie für ein gelungenes Foto sei die Stange nämlich noch lange nicht. "Jeder, der schon mal wirklich professionelles Bildmaterial gesehen hat, wird den Unterschied erkennen."

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HintergrundDer Trend zum Selfie Stick treibt erste Blüten: Wem ein Selbstporträt von vorne nicht mehr reicht, kann inzwischen auch seinen Allerwertesten mit einem Hilfsmittel fotografieren - dem Belfie Stick. Dabei handelt es sich um einen Stab, der dazu dient, das eigene Hinterteil abzulichten, ohne sich verrenken zu müssen. Der Begriff "Belfie" setzt sich zusammen aus "butt", englisch für Hintern, und Selfie. Das dürfte auch Promis gelegen kommen: Sängerin Lady Gaga und Model Kim Kardashian hielten ihren Po schon in die Linse. dpa