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Juan Carlos wird 80
Ein „Bürgerkönig“ im Ruhestand

Der neue König während seiner Thronrede am 22. November 1975 im Ständeparlament in Madrid.
Der neue König während seiner Thronrede am 22. November 1975 im Ständeparlament in Madrid. FOTO: UPI / dpa
Madrid. Durch eine Elefantenjagd geriet König Juan Carlos einst in die Kritik. Zwei Jahre später räumte er den spanischen Thron. Heute wird das Ex-Staatsoberhaupt 80.

Juan Carlos I. ist seit seinem Thronverzicht im Juni 2014 ein König ohne Krone. Den Titel durfte er behalten – aber ein Staatsoberhaupt ist er nicht mehr. Keine leichte Umstellung für den Mann, der Spanien vor 40 Jahren in die Demokratie geführt hatte. Es war kein ganz freiwilliger Abschied: Nach zahlreichen Affären und wachsenden gesundheitlichen Problemen war der Druck immer größer geworden. Die Spanier standen nicht mehr hinter Juan Carlos, der wegen seiner herzlichen Art einst als „Bürgerkönig“ respektiert wurde. Sein Sohn Felipe folgte ihm auf den Thron. Heute wird Juan Carlos de Borbón 80 Jahre alt.

Rückblick auf eine traumatische Kindheit: Juan Carlos wird am 5. Januar 1938 im Exil in Rom geboren. Seine Kindertage verbringt er zunächst in Italien, Portugal und der Schweiz. Vom Diktator Francisco Franco (1939-1975) dazu auserwählt, nach dessen Tod spanischer König und neuer Staatschef zu werden, betritt „Juanito“ im Alter von zehn Jahren erstmals spanischen Boden – ohne seine Familie. Der Prinz soll zum faschistischen König erzogen werden. In Madrid legt er das Abitur ab und wird auf Militärakademien für seine künftige Aufgabe gedrillt.

Die Jugend des Diktatoren-Schülers war ohnehin von Härte und Einsamkeit geprägt, als 1956 im portugiesischen Estoril etwas Furchtbares passierte: Der 18-jährige Juan Carlos erschoss beim Spiel mit einer Waffe unabsichtlich seinen vier Jahre jüngeren Bruder Alfonso. Geklärt wurde der Zwischenfall nie, aber Berichten zufolge soll sich plötzlich ein Schuss gelöst haben, der Alfonso in die Stirn traf. Eine gerichtliche Untersuchung wurde nicht eingeleitet.



Dann aber, im November 1975, schlägt Juan Carlos‘ große Stunde: Nach Francos Tod wird er als König und Staatschef eingesetzt. Die Spanier sind skeptisch, haftet dem jungen Bourbonen doch der Ruf an, ein Zögling des „Generalísimo“ zu sein. Der Monarch aber entscheidet, die Diktatur zu beenden und den Anstoß zu demokratischen Reformen zu geben. Dafür verzichtet er sogar auf eigene Machtbefugnisse. „Ich erbte damals von Franco die gesamte Macht. Aber ich verzichtete darauf, weil es keinen anderen Weg gab als den der Demokratie“, erzählt er später in einem Dokumentarfilm.

Bereits im Jahr 1962 hatte Juan Carlos Prinzessin Sofía von Griechenland geheiratet. Mit der heute 79-Jährigen hat er drei Kinder: Infantin Elena (54), Infantin Cristina (52) und Thronfolger Felipe (49). Die Familie lebte eher bescheiden im Zarzuela-Palast am Stadtrand von Madrid. Der König zeigte sich als passionierter Segler, Jäger und Freund des Stierkampfes, was ihm bei seinem Volk viele Sympathien einbrachte. Dann aber trat er 2012 eine verhängnisvolle Reise ins afrikanische Botsuana an.

Mitten in der Wirtschaftskrise fuhr der König in die Savanne, um Elefanten zu jagen, während sein Volk in Geldnot und Arbeitslosigkeit dahinsiechte. Die Spanier waren empört. Juan Carlos hatte dabei noch besonderes Pech: Die Reise wurde nur deshalb publik, weil er sich bei einem Sturz die Hüfte gebrochen hatte. Die Presse übte ungewöhnlich scharfe Kritik am Monarchen und berichtete erstmals ausführlich über angebliche Eheprobleme des Königspaars. In einer Geste, die in der spanischen Monarchie beispiellos war, entschuldigte sich der König öffentlich und gelobte Besserung.

Heute ist es still geworden um Juan Carlos. Sporadisch übernimmt er repräsentative Aufgaben wie Ausstellungseröffnungen. Als Spanien aber im Juli die Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum der Demokratie beging, fehlte der Altkönig. Felipe VI. und Ehefrau Letizia nahmen für das Königshaus teil. Juan Carlos‘ Abwesenheit sei „bemerkenswert“, schrieb die Zeitung „El Mundo“, denn schließlich sei er es gewesen, der das Land 1977 zu den ersten freien Parlamentswahlen geführt habe.