| 22:40 Uhr

Von Benno Schwinghammer
Die blutige Spur des Strand-Attentäters

Hurghada. Die beiden deutschen Frauen wollten am Strand von Hurghada entspannen. Da kam ein Mann auf sie zu – und stach eiskalt zu. Warum?

Es war etwa 13 Uhr, als Urlauberin Alice Matthiesen am Freitagmittag Schreie vom Strand gegenüber des Hotels „Zahabia“ in Hurghada hörte. Männer auf einem Schiff hätten gebrüllt. „Der eine schlug mit einem weißen stockartigen Ding auf jemanden im Wasser ein“, schildert die Urlauberin im ägyptischen Badeort ihre Eindrücke auf Facebook. Matthiesen beobachtete offenbar das Ende einer fürchterlichen Gewalttat. Wenige Minuten zuvor hatte der jetzt im Wasser schwimmende Mann ebenfalls schwimmend Kurs auf den Hotelstrand genommen. Bei Temperaturen an die 40 Grad war er nur einer von vielen im Wasser. Doch als er den Strand betrat, wurde klar, dass er sich hier nicht entspannen wollte.

Der Mann hatte ein Messer dabei, das er kurz nach seiner Ankunft am Morgen in Hurghada gekauft hatte. Er ging auf zwei Frauen zu, Touristinnen aus Niedersachsen. Er sprach sie auf Deutsch an, verwickelte sie in ein Gespräch – und stach zu. Nach der Tat sei der Messerstecher dann schwimmend geflohen, schildert Khaled Taha, der Leiter des Nachbarhotels „El Palacio“ die Ereignisse. Sicherheitsleute des Hotels hätten ihn überwältigt und gefesselt. „Es schien so, als sei der Typ geistig verwirrt gewesen“, sagt Taha.

Der 28-Jährige ist in Haft. Doch warum er das Blutbad begannen hat, weiß noch keiner. Auch wenn viele Menschen in Hurghada eine Gewalttat aus persönlichen Gründen für möglich halten, verdichten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Nach der Festnahme soll sich der Uni-Absolvent, der aus dem Nildelta im Norden des Landes stammen soll, in Vernehmungen auf die islamische Rechtssprechung, die Scharia, berufen haben. Er offenbare die Ideologie der IS-Terrormiliz, berichtet die private ägyptische Zeitung „Al-Shorouk“.



Offiziell bestätigt ist aber nicht, dass die beiden deutschen Opfer eines Dschihadisten wurden. Peter-Jürgen Ely, der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, kannte die Frauen schon seit Jahren. Die 56- und 65-Jährigen stammten aus der Nähe von Peine und seien immer wieder in das Taucherparadies am Roten Meer gekommen, um hier zeitweise zu leben. Beide hätten auch an den Treffen der deutschen Gemeinde vor Ort teilgenommen. Eine gemeinsame Bekannte habe die Opfer identifiziert, sagt Ely.

Ihr Tod reiht sich jedoch in eine Vielzahl von Attentaten in Ägypten auf Touristen ein. Die schweren Anschläge beanspruchte dabei stets der IS. Die Dschihadisten operieren im Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel – einem militärischen Sperrgebiet, in dem sich die ägyptische Armee immer wieder heftige Gefechte mit den Extremisten liefert. Diese versuchen, das Land mit allen möglichen Mitteln zu destabilisieren.

Der Staatliche Informationsdienst Ägyptens hob dennoch hervor, dass die Gewalt gegen Ägyptens Touristen deutlich zurückgegangen sei. Tatsächlich galten die Urlaubsgebiete am Roten Meer bis jetzt als weitgehend sicher. Die Branche ist wichtig für das wirtschaftliche Krisenland. Jeder neunte Job in Ägypten ist direkt oder indirekt von Urlaubern abhängig.