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Hund sucht altertümliche Skelette
Der erste Archäologe auf vier Pfoten

Flintstone kann menschliche Knochen tief unter der Erde erschnüffeln. Er hilft bei Ausgrabungen und kniffligen Kriminalfällen.
Flintstone kann menschliche Knochen tief unter der Erde erschnüffeln. Er hilft bei Ausgrabungen und kniffligen Kriminalfällen. FOTO: dpa / Matthias Balk
Otterfing. Flintstone aus Oberbayern war früher Rettungshund. Dann machte ihn eine Idee seines Herrchens zum Pionier für Historiker  — und für die Polizei. dpa

Früher half Flintstone dabei, Verschüttete aus Lawinen oder Trümmern zu retten. Wenn er heute ausrückt und losschnuppert, ist es für Hilfe schon lange zu spät. Der siebenjährige Altdeutsche Hütehund ist Profi bei der Suche nach menschlichen Skeletten – ein sogenannter Archäologie-Hund. Herrchen Dietmar Kroepel aus Otterfing in Oberbayern hat ihn darauf trainiert, auch uralte Knochen in der Erde aufzuspüren.

Flintstone hat die Karriere gewechselt, weil Kroepel vor einigen Jahren aus persönlichen Gründen nicht mehr dreimal wöchentlich und am Wochenende Einsätze mit seinem Rettungshund fahren konnte. Nichtstun kam für den wuscheligen grauen Vierbeiner aber nicht infrage. „Das sind reine Gebrauchshunde“, erklärt Kroepel. Heißt: Flintstone brauchte dringend eine neue Arbeit — „sonst sucht er sich Sachen, und das wollen Sie nicht“.

Also nahm der 52-jährige Archäologe Flintstone mit zu einer Ausgrabung in Italien. Dort wurde die Umschulidee geboren. Internationale Vorbilder gibt es: Das Magazin „National Geographic“ etwa berichtete 2012 über den Hundetrainer Gary Jackson, der den Labrador-Mix Migaloo zum angeblich ersten Archäologie-Hund der Welt ausgebildet hat.



Flintstone ist heute der einzige zertifizierte „Archaeo-Dog“ in Deutschland, wie Kroepel betont. Er unterstützt Grabungen in der Bodendenkmalpflege, entdeckte zum Beispiel 2016 im oberbayerischen Landkreis Ebersberg ein Römergrab. Noch spannender aus Kroepels Sicht: Der Hund hilft der Polizei bei sogenannten Cold-Cases, also bei Fällen, in denen ein Verbrechen vermutet wird, die Leiche aber nie gefunden wurde. 2017 und 2018 haben die beiden an 13 solcher Fälle in Österreich, Deutschland und der Schweiz mitgewirkt. Zum Beispiel im Fall Hof: In Oberfranken ermittelt die Polizei zum Verschwinden einer damals 18-Jährigen im Landkreis Hof vor mehr als 30 Jahren. „Im Rahmen der Ermittlungen konnten wir Ende 2017 ein Straßenstück von 200 Metern Länge eingrenzen, wo die Leiche vergraben sein könnte“, sagt Polizeisprecherin Anne Höfer. Mit dem Hund sei dieser Bereich in Naila dann abgesucht worden – in einem Kanal schließlich habe Flintstone menschliche Knochen angezeigt. Im September gruben Einsatzkräfte die Straße an der Stelle auf.

Menschliche Knochen tauchten zunächst nicht auf. Ob dort wirklich nichts vergraben liegt, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen, sagt Höfer. Die Ermittler seien aber nach wie vor überzeugt, dass Flintstone eine „sinnvolle Methode“ ist. Es sei gut vorstellbar, den Hund in Zukunft auch in Kombination einzusezten, etwa mit physikalischen Messungen im Boden. Dieses Vorgehen sei noch relativ neu.

Grundsätzlich helfen Hunde immer wieder bei ungelösten Mordfällen. In einem östlich von Lüneburg in Niedersachsen gelegenen Waldgebiet waren 1989 zwei Paare getötet worden, der Fall wurde als „Göhrde-Morde“ bekannt. Verantwortlich soll ein Friedhofsgärtner sein, der 1993 im Gefängnis Suizid beging. Bei der Suche nach Hinweisen auf weitere Taten des Mannes kamen im April spezielle Suchhunde aus Kroatien zum Einsatz. Sie können Erdreich erkennen, das mit alten menschlichen Überresten in Kontakt gekommen ist.

Auch bei der Suche nach Katrin Konert, die 2001 in Bergen an der Dumme in Niedersachsen verschwand und immer noch nicht wieder aufgetaucht ist, hätten mehrmals Hunde die Ermittler unterstützt, sagt ein Polizeisprecher. „Ein Archäologie-Hund ist mir aber neu.“

Was Flintstone – „Feuerstein“, ein passender Name zur Archäologie – von Polizeihunden unterscheidet: Leichenspürhunde etwa riechen sich zersetzendes menschliches Gewebe; Personenspürhunde sind darauf abgerichtet, Lebende zu finden. Das war ursprünglich ja auch Flintstones Spezialität – die Kroepel ihm in der Ausbildung erst einmal abgewöhnen musste. Zudem lernte Flintstone, nicht direkt loszugraben, sondern einen Fund anzuzeigen, indem er sich setzt und bellt.

Damit noch mehr Tiere zu Archäologie-Hunden ausgebildet werden, hat Kroepel den Verein Archaeo-Dogs Bayern und den Bundesverband der Archäologie-Hunde Deutschlands gegründet. Im Bundesverband hat er die Regeln aufgestellt, wie die Prüfung der Hunde auszusehen hat; derzeit läuft das noch über Rettungshundeprüfer. Aktuell sind acht Hunde in der Ausbildung. 2019 wollen sich auch Vereine in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gründen.

Daneben bleibt Kroepel und Flintstone an Wochenenden und nach Feierabend noch genug Zeit, für die Polizei zu arbeiten und an Grabungen teilzunehmen. In Stress kommt das Duo auf sechs Pfoten so schnell nicht. Kroepel: „Die, die wir suchen, warten schon lange – da kommt‘s auf einen Tag nicht an.“