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Gardi Sugdub
Klimawandel zwingt Insulaner zur Flucht

Häuser auf der Karibikinsel Gardi Sugdub, die zu Panama gehört. Die Bewohner haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen.
Häuser auf der Karibikinsel Gardi Sugdub, die zu Panama gehört. Die Bewohner haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. FOTO: KNA / Michael Althaus
Gardi Sugdub. Weil der Meeresspiegel steigt, droht der Insel Gardi Sugdub vor der Küste Panamas der Untergang. Die indigenen Bewohner werden jetzt aufs Festland umsiedeln. Von Michael Althaus

Steigende Meeresspiegel und immer häufigere Sturmfluten: Die Folgen des Klimawandels stellen weltweit für viele Inseln eine Bedrohung dar. Ähnlich wie Fidschi und die Bahamas könnten auch die karibischen San-Blas-Inseln vor der Küste Panamas schon bald von der Landkarte verschwunden sein. Seit Generationen leben dort Indigene vom Stamm der Kuna. Die Bewohner von Gardi Sugdub, einem der über 300 Eilande, bereiten wegen der drohenden Gefahr ihre Flucht aufs Festland vor.

„So kann es einfach nicht weitergehen“, sagt Dalis Morris, Lehrerin in der örtlichen Schule. Ihre Hütte stehe mittlerweile mehrmals im Jahr unter Wasser. Die Zahl der Stürme und der Überschwemmungen, die die Insel heimsuchen, sei in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Eine Wahrnehmung, die Matthew Larsen, Direktor des Smithsonian Tropical Resarch Institut in Panama City, bestätigt: „Der durchschnittliche Anstieg des Meeresspiegels um 3,1 Millimeter pro Jahr führt dazu, dass Gardi Sugdub und ähnlich niedrig liegende Inseln unaufhaltsam an Fläche verlieren und zunehmend anfällig für Abtragungen durch Stürme werden.“ Auf Dauer sei es für die Bewohner zu gefährlich, dort zu bleiben.

Im Vergleich zu vielen anderen indigenen Völkern haben die Kuna, die ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Kolumbiens stammen, einen Großteil ihrer kulturellen Eigenständigkeit erhalten. Sie sprechen ihre eigene Sprache, die Frauen tragen traditionelle Tracht: Um Arme und Beine haben sie lange bunte Perlenketten gewickelt, dazu tragen sie eine Bluse mit bunten Stickereien und auf dem Kopf ein rotes Tuch. Sie bilden eine weitgehend autonome Republik, die „Comarca Kuna Yala“. Neben einem schmalen, 180 Kilometer langen Streifen an der Nordküste Panamas gehören die 300 Koralleninseln dazu. Knapp 50 dieser Inseln sind bewohnt. Der Vorteil der Kuna gegenüber vielen anderen bedrohten Inselvölkern: Innerhalb ihrer „Comarca“ besitzen sie bereits Grund auf dem Festland.



2010 fällten die Bewohner von Gardi Sugdub daher im Gemeindeparlament die Entscheidung zur Umsiedlung und gründeten ein Planungskomitee. Auf einem 17 Hektar großen Gebiet, das sie „La Barriada“ nennen, soll ihr neues Dorf entstehen – die Lösung für die Bedrohung durch den Klimawandel sowie für weitere Probleme der Kuna. Denn für die wachsende Population ist die Insel schon lange viel zu eng. Knapp 1000 Menschen leben auf dem Eiland, das sich innerhalb weniger Minuten zu Fuß durchqueren lässt. Es gibt weder eine feste Strom- noch eine Wasserversorgung. Plastikflaschen und -verpackungen, die rund um die Insel im Meer treiben, zeugen von einer fehlenden Müllabfuhr.

„All das würde sich mit dem Umzug ändern“, sagt Blas Lopez, eine der treibenden Kräfte im Planungskomitee. Der Bau einer Schule und eines Gesundheitszentrums im neuen Dorf hat vor einigen Jahren bereits begonnen. Doch danach gerieten die Planungen ins Stocken. Denn: Die Kuna haben zwar Land, aber kein Geld. Eigentlich hatte Panamas Regierung die Finanzierung der neuen Häuser zugesagt. Doch das Geld ist bislang nicht geflossen. „Es wird bald kommen“, gibt sich Lopez zuversichtlich. „Wir bleiben hartnäckig.“ Einige Ältere leisteten noch Widerstand und wollten lieber auf der Insel bleiben. „Aber die werden wir auch noch überzeugen.“