| 22:51 Uhr

Prozess-Auftakt
Der Hausbrand, der einen Mord kaschierte

Auftakt des Prozesses in Kempten: Ein 37 Jahre alter Mann soll einen mit einem bisher unbekannten Komplizen in das Haus eines Rentners eingebrochen sein und den 76-Jährigen umgebracht haben. Auf der Anklagebank sitzt der Mitangeklagte, der das Fluchtauto gefahren haben soll.
Auftakt des Prozesses in Kempten: Ein 37 Jahre alter Mann soll einen mit einem bisher unbekannten Komplizen in das Haus eines Rentners eingebrochen sein und den 76-Jährigen umgebracht haben. Auf der Anklagebank sitzt der Mitangeklagte, der das Fluchtauto gefahren haben soll. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Kempten. Weil ein Rentner Einbrecher auf frischer Tat erwischt hatte, wurde er umgebracht. Die mutmaßlichen Täter schweigen.

Was erst nach einem Hausbrand mit einem Toten aussah, hat sich im März 2017 in Lindau am Bodensee als ein Mordfall herausgestellt. Der 76 Jahre alte Besitzer eines alten Bahnwärterhauses hatte damals offenbar zwei Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Einer der Täter soll den alten Mann dann erwürgt, der andere das Haus in Brand gesteckt haben. Nun stehen zwei Männer in Kempten vor Gericht. Zu Prozessbeginn hüllten sich die Angeklagten in Schweigen, sie ließen nur ihre vier Anwälte reden.

Der 37 Jahre alte Hauptbeschuldigte ist wegen Mordes und weiterer Straftaten angeklagt. Er soll dem 76-Jährigen zuerst den Kiefer gebrochen und dann das Opfer umgebracht haben. Dem 27 Jahre alten Mitangeklagten wird keine Beteiligung bei der Gewalttat an dem Rentner vorgeworfen. Er ist wegen versuchten schweren Bandendiebstahls angeklagt. Er soll mit dem Fluchtwagen in der Nähe des Grundstücks gewartet haben, bestreitet dies aber. Der Mann sei nicht am Tatort gewesen, sagte einer seiner Verteidiger.

Wer mit in das Haus des alten Mannes eingestiegen ist, ist bis heute unklar. In der Anklage wird der unbekannte Dritte als Adrian bezeichnet. Dieser Adrian soll das Feuer gelegt haben – das Gebäude brannte in jener Nacht völlig aus. Die Polizei fand etwa 150 Meter weiter das bereitgestellte Diebesgut, das die Täter bei ihrer Flucht zurückließen.



Die Kriminalpolizei hatte damals schnell den Verdacht gehabt, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Feuer handelte. Die ersten an dem Brandort eintreffenden Helfer sahen noch Menschen im Qualm verschwinden. Die Ermittlungen führten in die osteuropäische Bettlerszene. Die beiden Angeklagten sollen einer ungarischen Minderheit aus Rumänien angehören. Da der wegen Mordes angeklagte Rumäne bereits wegen einer Vergewaltigung vorbestraft ist, droht ihm nun auch die Sicherungsverwahrung.

Die Sonderkommission der Lindauer Kripo ermittelte damals auch in Baden-Württemberg, wo die Gruppe ebenfalls unterwegs gewesen sein soll. So wurden Bürger in Ehingen befragt, der 37-Jährige wurde schließlich auf einem Supermarktparkplatz in Ulm festgenommen. Bei dem Verdacht gegen ihn stützt sich die Staatsanwaltschaft unter anderem auf DNA-Spuren.

Seine zwei Verteidigerinnen versuchten zum Prozessauftakt zunächst, eine ganze Reihe von Zeugenvernehmungen für unzulässig zu erklären. Die Juristinnen warfen der Kripo unlautere Methoden vor. So sollen die Polizisten getrickst haben, um über einen Mithäftling in der Untersuchungshaft „durch staatlich veranlasstes Bespitzeln“ an ein Geständnis des 37-Jährigen zu kommen. Die Strafkammer wies den Antrag, die Beweismittel deswegen von Anfang an für unzulässig zu erklären, zurück. Wobei der Vorsitzende Richter Gunther Schatz einräumte, dass die Bedenken „nicht aus der Luft gegriffen“ seien. Selbst der ermittelnde Staatsanwalt hatte in einer E-Mail sein „absolutes Entsetzen“ darüber geäußert, dass die Polizei dem Mitinsassen und Informanten 50 Euro für Tabak und Lebensmittel gezahlt habe.

Das Gericht werde im Laufe des Prozesses dann im Einzelfall entscheiden, ob einzelne Aussagen nicht verwertet werden dürfen, sagte Richter Schatz. Das Urteil ist für den 22. August vorgesehen.