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Corona-Seuche
Das Saarland wappnet sich gegen das Virus

  Foto: istock, Montage: SZ
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Saarbrücken. Das Bundesland ist von Corona-Fällen bislang noch verschont geblieben. Dennoch kommen die Einschläge näher. Das Land richtete deshalb einen Krisenstab ein. Von Gerrit Dauelsberg, Tobias Fuchs, Marc Prams und Niklas Folz

(SZ/dpa) Das neuartige Coronavirus breitet sich aus in Mitteleuropa – und die Einschläge rücken immer näher heran ans Saarland. Am Mittwoch wurde der erste Corona-Fall in Rheinland-Pfalz festgestellt. Es handele sich um einen 41-jährigen Soldaten, der im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt werde, teilte die Bundeswehr mit. Am Donnerstag folgte dann die nächste Infektion im Nachbarland: Bei einem Patienten im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern wurde ebenfalls das Coronavirus festgestellt, wie die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichten­thäler (SPD) mitteilte. Der Mann, Jahrgang 1988, sei mit Symptomen selbst in das Klinikum gekommen. Er sei bis vor kurzem im Iran gewesen und habe dort Kontakt mit einer „symptomatisch auffälligen Person“ gehabt, sagte die Ministerin.

Entwarnung gab es dagegen im Fall eines Saarländers, der am Mittwoch in einem Regionalzug von Frankfurt nach Saarbrücken über Symptome klagte. Der Zug musste für eine Stunde gestoppt werden,  der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Doch wie Karsten Schultheiß, der Pressesprecher des Landkreises Birkenfeld mitteilte, fielen die Tests negativ aus.

Im Saarland gibt es bislang – Stand Donnerstag –  keinen bestätigten Corona-Fall, wie das Gesundheitsministerium bekräftigte. „Im Labor des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) wurden bisher 30 Proben vorsorglich untersucht – alle waren negativ“, hieß es in einer Pressemitteilung des Ministeriums.



Dennoch: Man will gewappnet sein für den Ernstfall. Und so bildete die Landesregierung unter Federführung des Gesundheitsministeriums inzwischen einen Krisenstab unter der Leitung von Staatssekretär Stephan Kolling (CDU). Auch auf kommunaler Ebene wurden erste Krisenstäbe und Arbeitsgruppen eingerichtet – so etwa in den Landkreisen Neunkirchen und Saarlouis.

Das Gesundheitsministerium unterstützt die Gesundheitsämter im Land zudem mit einem Lagezentrum und einer „Task Force“ – ebenfalls unter Führung Kollings. Auf diese Weise will das Ministerium „den umfassenden und lückenlosen Austausch zum Ergreifen von Maßnahmen“ gewährleisten. Am Donnerstag lud Kolling neben den übrigen Ministerien auch Experten aus dem Gesundheitswesen, der Ärzteschaft, der Hilfsorganisationen sowie Vertreter der Kommunen und Landkreise und des Rettungszweckverbandes ZRF Saar nach Saarbrücken ein, um die aktuelle Lage zu besprechen.

Auf welche konkreten Szenarien man sich vorbereitet, ob etwa auch die Abriegelung von Häusern oder ganzen Ortschaften durchgespielt wird, ging aus der Pressemitteilung nicht hervor. Eine entsprechende SZ-Nachfrage ließ das Gesundheitsministerium, das saarlandweit die komplette Kommunikation in Sachen Corona übernommen hat, bislang noch unbeantwortet. Allerdings verwies das Ministerium auf die eigens eingerichtete Hotline (0681) 501-4422. An diese Nummer können sich Bürger wenden, die Fragen zum Coronavirus haben.

Die Frage, ob die saarländischen Krankenhäuser für das Virus gewappnet sind, beantwortete Ministeriumssprecher Michael Klein mit einem Ja. Jede Klinik im Saarland sei in der Lage, entsprechende Patienten zu isolieren und zu versorgen. Gut vorbereitet sieht man sich zum Beispiel am Neunkircher Diakonie-Klinikum: Bei Verdachtsfällen würden „spezielle Hygienepläne und Meldeketten“ greifen, teilte die Pressestelle mit. „Ärzte und Pflegekräfte wurden geschult – sowohl hinsichtlich der Diagnostik als auch im Umgang mit wahrscheinlichen oder bestätigten Fällen einer Infektion.“

Sind „spezielle Behandlungen“ erforderlich, werden Corona-Patienten laut Gesundheitsministerium ins Uniklinikum nach Homburg oder ins Klinikum Saarbrücken auf den Winterberg verlegt. Beide Häuser seien auf die Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert.