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Suche für beendet erklärt
Das Rätsel um MH 370 bleibt ungelöst

Kuala Lumpur. Malaysia beendet die Suche nach der 2014 verschollenen Maschine. Vom Rumpf und den 239 Insassen fehlt weiter jede Spur. Und was geschah, bleibt umstritten. Von Christoph Sator

(dpa) Der Kohlefrachter „West Ridge“ war 1883 auf dem Weg von Liverpool nach Bombay, als sich an Bord eine Explosion ereignete. Die 28 Mann Besatzung unter Kapitän John Arthur hatten keine Chance. Das 70-Meter-Schiff versank im Indischen Ozean. Bis das Wrack auf dem Meeresgrund entdeckt wurde, dauerte es 132 Jahre. Bis 2015.

Es war ein Zufallsfund. Eigentlich hatte die Suche zum Ziel, die Maschine von Malaysia-Airlines-Flug MH 370 zu finden, der im März 2014 kurz nach dem Start in Kuala Lumpur einfach so von den Radarschirmen verschwunden war. Dieser Erfolg blieb aus. Am Dienstag ging auch die vorläufig letzte, privat finanzierte Mission zu Ende, ohne dass man auch nur halbwegs eine Ahnung hat, wo die Boeing 777-200ER eventuell geortet werden könnte.

Den Angehörigen der 239 Menschen an Bord geht es nun wie einst den Familien der 28 Männer von der „West Ridge“. Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen Zufall.



Das Verschwinden der Boeing – immerhin 63 Meter lang, 223 Tonnen schwer – hat sich längst zu einem der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte entwickelt. Inzwischen gibt es Dutzende Bücher darüber, was an jenem 8. März 2014 passiert sein könnte. Eine Entführung? Ein Selbstmord des Piloten, der den Tod von 238 weiteren Menschen in Kauf nahm? Ein Brand mit giftigen Gasen an Bord, der alle bewusstlos machte?

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, die Maschine könnte von Militärs abgeschossen worden sein, aus Versehen oder mit Absicht, so wie vier Monate später der Malaysia-Airlines-Flug MH 17 über der Ukraine. Und auch an Verschwörungstheorien mangelt es nicht. Nur ein paar davon: Die Russen haben das Flugzeug nach Kasachstan entführt. Die CIA hat die Maschine auf dem Geheimstützpunkt Diego Garcia verschwinden lassen. Nordkorea war es. Oder: Außerirdische.

Was man mit Sicherheit weiß, ist, dass die Maschine, die auf dem Weg nach Peking war, noch etwa sieben Stunden über den Indischen Ozean flog, nachdem sie vom Radar verschwunden war. Anfangs in westliche Richtung, dann nach Süden. Solange nahm ein Satellit noch die sogenannten Ping-Signale auf. Aber dann? Absturz aus großer Höhe? Bruchlandung auf dem Wasser?

Darüber hat sich, kurz vor dem Ende der Suche, ein erbitterter Expertenstreit entzündet. Der kanadische Absturz-Ermittler Larry Vance verkündete in einem Buch, dass das Rätsel gelöst sei. Aufgrund des guten Zustands der zwei Dutzend entdeckten Wrackteile (und der Tatsache, dass sonst nichts gefunden wurde), geht er davon aus, dass der malaysische Pilot die Maschine in selbstmörderischer Absicht aufs Wasser setzte.

Der australische Chef-Ermittler Peter Foley hält davon nichts. Er ist überzeugt, dass die Maschine mangels Treibstoffs ins Meer stürzte. Tatsächlich liefert auch Vance keinen vernünftigen Grund, warum der Pilot das Satellitengerät ausschalten, drei Kurven und dann noch sieben Stunden weiter hätte fliegen sollen, bevor er Suizid begeht.

So wird weiter gerätselt. Die Ungewissheit bleibt eine große Belastung. Deshalb hatten viele große Hoffnungen in die private Suchmission der US-Firma Ocean Infinity gesetzt – zumal die Amerikaner nur Geld bekommen sollten (etwa 60 Millionen Euro), wenn sie die Maschine tatsächlich finden.

Doch nicht einmal dazu war Malaysias Regierung nun noch bereit. Nach zweimaliger Verlängerung kam am Dienstag das Aus – zur großen Verbitterung von Leuten wie Grace Nathan, deren Mutter an Bord war. Die Anwältin, eine der Sprecherinnen der Hinterbliebenen-Organisation Voice370, meint: „Warum muss man Leuten, die suchen wollen, die Tür vor der Nase zuschlagen?“ Von offizieller malaysischer Seite gab es dazu keinerlei Kommentar.

Immerhin versuchte Australien, den Angehörigen Trost zu spenden. Vize-Regierungschef Michael McCormack meinte: „Das sieht so aus, als ob das einstweilen ein Rätsel bleibt. Aber eines Tages wird man die Maschine hoffentlich finden.“ Er erinnerte an die Tragödie der „Titanic“. Der Luxus-Liner ging, nach dem Zusammenstoß mit einem Eisberg, im April 1912 unter. Das Wrack wurde 73 Jahre später gefunden. Für Flug MH 370 wäre das im Jahr 2087.