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Corona-Pandemie
Hallen im Saarland werden zu Feldbett-Lagern

 Die Schulturnhalle der Gemeinschaftsschule Marpingen. Von außen erkennt man nicht, welche neue Rolle die Turnhalle jetzt hat.
Die Schulturnhalle der Gemeinschaftsschule Marpingen. Von außen erkennt man nicht, welche neue Rolle die Turnhalle jetzt hat. FOTO: B&K / Bonenberger/
Saarbrücken/Marpingen. Land und Kreise wappnen sich in der Corona-Krise für den schlimmsten Fall – und hoffen, dass sie die Notplätze am Ende nicht brauchen. Die ersten Hallen in den Kreisen Saarlouis, St. Wendel und Saarpfalz stehen bereits fest. Doch woher sollen die Ärzte und Pflegekräfte kommen? Von Daniel Kirch und Sarah Konrad

Die Kapazitäten der Krankenhäuser im Saarland sind noch lange nicht erschöpft. Das ist die gute Nachricht. Von den landesweit 594 Betten auf Intensivstationen sind derzeit 284 belegt, darunter sind 23 Corona-Patienten. Dass sich das relativ schnell zum Negativen ändern kann, ist allerdings die schlechte Nachricht. Niemand weiß, was in den nächsten Wochen passieren wird.

Aus diesem Grund ziehen die Verantwortlichen in den Krankenhäusern alle Register, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Ärzte und Pflegekräfte werden aus dem Ruhestand geholt, Personal schnell noch an Beatmungsgeräten geschult, Studenten angeheuert. Das Land bestellte für Millionen Euro Schutzausstattung, von der die Kliniken und Arztpraxen hoffen, dass sie in Kürze bei ihnen ankommt.

Um kein Chaos bei der Patienten-Aufnahme entstehen zu lassen, gibt es eine feste Struktur, welche Klinik wofür zuständig ist. Schwerste Corona-Fälle werden in der Uniklinik in Homburg, im Klinikum auf dem Winterberg und in der SHG-Klinik in Völklingen behandelt. Weitere Krankenhäuser kümmern sich um Patienten mit mittelschwerem Verlauf.



Für den Fall, dass irgendwann die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, werden derzeit im ganzen Land Sport- und Veranstaltungshallen hergerichtet. Dort sollen im Notfall Patienten betreut werden, die keine intensive Behandlung benötigen: etwa Leichtkranke und Patienten, die bereits auf dem Weg der Genesung sind und in ihrem Krankenhaus kurz vor der Entlassung stehen.

Eine reine Vorsichtsmaßnahme sei das, wird überall versichert, man richte sich auf den „worst case“ ein, also den schlimmsten Fall, von dem alle hoffen, dass er nicht eintreten wird. „Sollten etwa aufgrund steigender stationärer Corona-Fälle oder aus anderen Gründen die Kapazitäten der Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen, verfügen wir mit dieser Behandlungsstelle über eine Ausweichmöglichkeit“, sagt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU).

Der Landkreis St. Wendel hat am Donnerstag die landesweit erste „externe Krankenbehandlungsstelle“ – so die offizielle Bezeichnung – eingerichtet. In der kleinen Turnhalle der Gemeinschaftsschule Marpingen stellten Angehörige der Hilfsorganisationen Dutzende Feldbetten auf. Die umliegenden Hallen eingerechnet, wäre maximal Platz für bis zu 400 Menschen. Die Betten, Decken und Kissen stammen aus den Beständen des Katastrophenschutzes im Landkreis. Ist das Material irgendwann aufgebraucht, könnte die Bundeswehr Nachschub liefern – so hat es der Kreis jedenfalls beantragt. Schon in wenigen Tagen soll das Zentrum einsatzbereit sein.

Andere Landkreise haben ebenfalls Hallen nach Saarbrücken gemeldet. Im Landkreis Saarlouis ist vorgesehen, die Sporthalle In den Fliesen in Saarlouis und die Großsporthalle in Lebach zu ertüchtigen, außerdem will der Kreis zusammen mit seinen Hilfsorganisationen die Sporthalle des Max-Planck-Gymnasiums für die Notversorgung herrichten.  Der Saarpfalz-Kreis hat dem Land die Sporthalle Neue Sandrennbahn in Homburg sowie die Spiel- und Sporthalle Wallerfeld in St. Ingbert benannt. In Saarbrücken könnten die Saarlandhalle oder die Turnhalle in Brebach als Behandlungsplatz genutzt werden.

Bleibt die Frage, wer die Einrichtungen betreiben soll (die ohnehin schon stark belasteten Kliniken sehen sich dazu außerstande) und wo die ganzen Ärzte und Pflegekräfte herkommen sollen, um die Patienten in den Hallen zu betreuen; wenn es richtig zur Sache geht, werden diese ja in den Krankenhäusern gebraucht. Auch im Kreis St. Wendel ist man noch auf der Suche, der Landrat setzt auch hier auf die Bundeswehr. Auch auf pensionierte Ärzte und frühere Pflegekräfte, die sich freiwillig dafür melden, wird gehofft. Im äußersten Fall, sagt ein Katastrophenschützer, wären die Landkreise gesetzlich sogar befugt, „Personen mit besonderen Kenntnissen oder Fähigkeiten“ zur Hilfeleistung zu verpflichten.

Am liebsten wäre den Verantwortlichen, wenn sich solche Fragen gar nicht stellen, weil der Verlauf der Pandemie nicht so schlimm wird wie befürchtet. „Ich hoffe, wir werden diese Halle hier niemals als Behandlungsstätte nutzen müssen“, sagt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald in der Marpinger Turnhalle zwischen Feldbetten.

 Helfer bauen in der Turnhalle der Marpinger Gemeinschaftsschule Feldbetten auf. Hier entsteht das landesweit erste Corona-Notfallzentrum.
Helfer bauen in der Turnhalle der Marpinger Gemeinschaftsschule Feldbetten auf. Hier entsteht das landesweit erste Corona-Notfallzentrum. FOTO: Sarah Konrad