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Corona-Virus im Saarland
Entwarnung in Freisen, neuer Fall in Merchweiler

 Eine Krankenhaus-Mitarbeiterin nimmt bei einem Autofahrer eine Probe, um sie auf Corona zu testen. Im Saarland gibt es einen sechsten Infizierten.
Eine Krankenhaus-Mitarbeiterin nimmt bei einem Autofahrer eine Probe, um sie auf Corona zu testen. Im Saarland gibt es einen sechsten Infizierten. FOTO: dpa / Marijan Murat
Saarbrücken/Freisen/Neunkirchen. Ein junger Mann aus dem Landkreis Neunkirchen ist der sechste Coronavirus-Infizierte im Saarland. Veranstaltungen wurden abgesagt. Von Manuel Görtz

Das Coronavirus wollte dem Saarland am Montag nur eine kurze Verschnaufpause gönnen. Bei der jungen Frau aus Freisen, die nach ihrer Rückkehr aus dem Ski-Urlaub in Südtirol über typische Krankheitssymptome geklagt hatte und zunächst positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, fiel der zweite Bestätigungstest negativ aus. Entwarnung in Freisen, wo Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) dem Fall, für den auch der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) des Landkreises St. Wendel einberufen wurde, sogar etwas Positives abgewinnen konnte: „Wir sind jetzt erprobt. Das war eine gute Übung“, sagte er. Denn es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis wirklich ein Corona-Fall in der Region auftreten werde.

Doch nur wenige Stunden später meldete dann der Landkreis Neunkirchen den ersten bestätigten Fall in seinem Gebiet. Damit ist die Zahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Menschen im Saarland auf sechs gestiegen. Bei dem Fall aus dem Landkreis Neunkirchen handelt sich nach Behördenangaben um einen jungen Mann aus Merchweiler, der ebenfalls in Südtirol im Ski-Urlaub war und am Freitag zurückkehrte. Der Landkreis berief wegen des Falls einen Krisenstab ein, der zu dem Ergebnis kam, dass derzeit keine weiteren Maßnahmen erforderlich seien. Allerdings betonte Landrat Sören Meng (SPD): „Aufgrund der dynamischen Entwicklung wird die Situation weiter beobachtet, um bei Bedarf entsprechende Sofortmaßnahmen zu treffen.“

Auch die saarländische Landesregierung beriet am Montag bei einem Krisentreffen den Umgang mit dem Coronavirus. Dabei ging es auch um die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom Sonntag, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Die Entscheidung darüber liege nach wie vor bei den Behörden vor Ort, also den Gesundheitsämtern der Kreise in Zusammenarbeit mit den Ortspolizeibehörden, teilte Regierungssprecher Alexander Zeyer mit. Die Landesregierung prüfe allerdings in Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern, ob auch eine Landesverordnung erforderlich sei, um Spahns Empfehlung umsetzen zu können.



Großveranstaltungen sind wegen Corona im Saarland bislang noch nicht abgesagt worden. Die für diesen Dienstag und Mittwoch geplanten Aufführungen der Show „Holiday on Ice“, zu denen in der Saarbrücker Saarlandhalle jeweils bis zu zweieinhalbtausend Besucher erwartet werden, finden statt, betonte gestern Oliver Kuhn, Sprecher der Betreibergesellschaft Congress Centrum Saar GmbH. Auch für andere geplante Veranstaltungen in der Saarlandhalle und in der Congresshalle lägen keine Absagen der Veranstalter vor.

Das Regionalliga-Heimspiel der SV Elversberg gegen die Offenbacher Kickers fand am Montagabend wie geplant mit Publikum im Stadion an der Kaiserlinde statt. Vor dem Hintergrund, dass es noch keine Infizierten in der Gemeinde gebe, und der Tatsache, dass es sich um eine Freiluftveranstaltung handele, sei ein Ausschluss der Öffentlichkeit zum derzeitigen Standpunkt unverhältnismäßig, schrieben SVE, die Gemeinde Spiesen-Elversberg und das Gesundheitsamt des Landkreises Neunkirchen am Nachmittag in einer gemeinsamen Erklärung.

Auch die Ortspolizeibehörde der Landeshauptstadt Saarbrücken hat bisher noch keine Veranstaltung abgesagt, wie Sprecherin Michaela Kakuk mitteilte. „Wir stehen grundsätzlich zur Situation in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt und beobachten und bewerten die Lage täglich neu“, sagte Kakuk.

Die Gemeinde Nalbach hat hingegen alle Veranstaltungen bis 15. März abgesagt. Auch im Landkreis St. Wendel wurden viele Veranstaltungen abgesagt oder verschoben.

Stengere Besucherregelungen gelten derweil am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Hier gilt bis auf weiteres: Patienten dürfen nur noch von einer Person pro Tag besucht werden, die Besuchszeit wird auf 16 bis 18 Uhr begrenzt.

In den saarländischen Gefängnissen und der Klinik für Forensische Psychiatrie in Merzig gibt es ebenfalls Besuchseinschränkungen. Dort werden keine Besucher aus Corona-Risikogebieten oder solche mit Erkältungssymptomen mehr hineingelassen, wie Justiz-Staatssektär Roland Theis (CDU) betonte.