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Stecknadeln im Essen
Böse Überraschung im Brötchen

Nadel im Schrippenhaufen: In einem Supermarkt in Offenburg fanden Kunden im Brot spitze Gegenstände.
Nadel im Schrippenhaufen: In einem Supermarkt in Offenburg fanden Kunden im Brot spitze Gegenstände. FOTO: Federico Gambarini / dpa
Offenburg. Wie kommen Stecknadeln in Esswaren eines Supermarkts? In Offenburg herrscht Ratlosigkeit. Sechs Fälle sind bislang bekannt. Die Ermittler schließen Erpressung als Tatmotiv derzeit aus.

() Es ist ein Alptraum für jeden Supermarkt und für den Offenburger Discounter Kaufland bittere Realität: gefährlich spitze Stecknadeln in Lebensmitteln. Gestern erst entdeckte eine Kundin eine Nadel in einem Burger-Brötchen. Laut Polizei hat sie Verpackung und Nadel daraufhin entsorgt.

Seit Dezember ist es das sechste Mal, das Kunden in abgepackten Produkten die bis zu vier Zentimeter großen handelsüblichen Nadeln finden – unter anderem in einem Bagel, einem Aufbackbrötchen, einer Packung Toastbrot und einem Salami-Snack. Verletzt wurde niemand, die Nadeln waren stets vor dem Verzehr gefunden worden.

Die Produkte wurden korrekt ausgeliefert und erst im Markt manipuliert, heißt es bei der Polizei. Doch wie gelangten die Fremdkörper in die Nahrungsmittel? „Wir tun alles Mögliche, um das zu erfahren“, sagt Karen Stürzel, Sprecherin vom Polizeipräsidium Offenburg. Die Packungen würden untersucht und mögliche Zeugen befragt.



Bisher gebe es keine Anhaltspunkte für eine Erpressung, sagt Stürzel. Die meisten Erpresser hinterlassen Spuren, zum Beispiel Briefe. Es gibt aber auch Saboteure, die schweigen und vor allem Schrecken verbreiten wollen. Lebensmittelsabotage gilt als Horrorvision von Firmen. Schon mit wenig Aufwand können Täter dem Ruf eines Ladens schaden. Ein möglicher Rückruf von Produkten kann teuer werden.

Der betroffene Kaufland-Markt hat die Sicherheitsmaßnahmen bereits erhöht. Unter anderem war der Einsatz von Metalldetektoren im Gespräch gewesen. Ein Unternehmenssprecher wollte allerdings zunächst keine Einzelheiten darüber nennen, was bisher getan wurde, um die Kunden zu schützen.

Alle bislang betroffenen Nahrungsmittel waren in Kunststoff verpackt und bereits vor Weihnachten gekauft worden, wie die Polizei erklärte. Das genaue Kaufdatum konnte noch nicht festgestellt werden. Eine „gemeinsame Ermittlungsgruppe des Fachbereichs „Gewerbe und Umwelt“ und der Kriminalpolizei sei eingerichtet worden.

Wie die Nadeln in die Nahrungsmittel kamen, ist unklar. Sicher ist den Angaben zufolge nur, dass sie erst im Markt platziert wurden – vermutlich Mitte Dezember. Das Unternehmen hat die besorgniserregenden Fundstücke aus den Regalen entfernt.

Neue Ware soll weiterhin einer Sichtkontrolle unterzogen werden, bevor sie einsortiert wird. Noch am Dienstag wollten Vertreter der Lebensmittelkontrolle und der Polizei sowie des Ortenaukreises und des Supermarkts über den Fall beraten. Eingebunden ist auch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg appelliert an Kunden, genau darauf zu achten, ob Packungen beschädigt sind. „Falls es Hinweise gibt auf Manipulationen – im vorliegenden Fall etwa kleine Löcher –, sollte man die Behörden verständigen“, sagt Pressechef Niklaas Haskamp. Auch eine transparente Informationspolitik des Unternehmens sei wichtig. „Als Verbraucher will ich wissen, welche Produkte betroffen sind.“

Grundsätzlich kann es immer wieder zu Fremdkörpern in Lebensmitteln kommen – Haare und Fasern machen einen deutlichen Anteil aus. Sie sind oft Grund von Beschwerden bei der Lebensmittelüberwachung. Bei der juristischen Beurteilung kommt es Experten zufolge auch darauf an, ob ein Haar vom Menschen oder vom Tier stammt.

Vor einigen Jahren hatte ein Passagier an Bord eines kanadischen Flugzeugs eine Nadel in seinem Thunfisch-Sandwich entdeckt – glücklicherweise auch rechtzeitig.