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Hitze im Stall
Badespaß für Kuh und Schwein

Erfrischend: Der niedersächsische Milchbauer Helmut Evers schaltet eine Kuhdusche in seinem Stall an. Die Kühe mögen’s: Vor der Dusche herrsche stets großer Andrang, berichtet der Zweibeiner.
Erfrischend: Der niedersächsische Milchbauer Helmut Evers schaltet eine Kuhdusche in seinem Stall an. Die Kühe mögen’s: Vor der Dusche herrsche stets großer Andrang, berichtet der Zweibeiner. FOTO: dpa / Holger Hollemann
Osnabrück. Auch Tieren im Stall macht die Hitze zu schaffen. Deshalb sorgen Landwirte mit Duschvorrichtungen für Abkühlung.

Schatten, eine kühle Brise oder eine erfrischende Dusche – darüber freuen sich bei hohen Temperaturen nicht nur Zwei- , sondern auch Vierbeiner. Denn wenn es draußen heiß ist, werden auch Nutztiere träge – ähnlich wie viele Menschen. Um die hohen Temperaturen in den Ställen und auf den Weiden für sie erträglich zu machen, müssen sich die Landwirte etwas einfallen lassen.

„Meine Kühe legen sich gerne auf die nackte Erde, weil das nämlich kühlt“, sagt Helmut Evers, Milchbauer aus Wahrenholz im Kreis Gifhorn in Niedersachsen. 80 Milchkühe hält Evers. In seinem Boxenlaufstall hat er die Seitenwände geöffnet, damit frische Luft hineinweht. Auch Ventilatoren drehen sich. Die schalten sich ab 24 Grad Wärme ein. Bei Temperaturen jenseits von 30 Grad kommt eine besondere Wellness-Attraktion hinzu: Dann dreht Evers das Ventil zu einer Kuhdusche auf. „Das sind mehrere ganz feine Wasserstrahlen, wo sich die Kühe drunterstellen können“, erzählt der Landwirt. „Manche sind wasserscheu und huschen da durch, aber die meisten empfinden das als angenehm.“ Daher sei auch immer viel Andrang vor der Dusche.

Auf Duschen setzt auch Gabriele Mörixmann aus Melle bei Osnabrück. Die Landwirtin hat sich in der Szene einen Namen mit ihrem sogenannten Aktivstall für Schweine gemacht, bei dem die Tiere viel Bewegungs- und Rückzugsraum haben. Der Stall ist in einem alten Gebäude untergebracht, eine Hochdruckvernebelungsanlage zur Kühlung wie in neueren Ställen sei daher nicht möglich. „Wir haben uns dazu entschlossen, großflächig Duschen einzubauen“, sagt die Landwirtin. Außerdem bietet sie ihren gut 875 Schweinen, die nicht schwitzen können und sich auch über die Atmung etwas abkühlen, acht Badewannen an. „Die Schweine nutzen das auch gerne“, erzählt Mörixmann. Diesen Komfort dürfte aber kaum ein anderer Landwirt seinen Tieren bieten. Denn der Aufwand ist riesig, aus hygienischen Gründen müssen die Badewannen regelmäßig sauber gemacht werden.



Schweine helfen sich aber selber: Sie schieben etwa das Stroh vom Betonboden, um sich auf dem kühlen Grund zu kühlen, wie Ulrich Ebert vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede berichtet. „Ganz logisch suchen sie sich den kalten Untergrund aus, sowohl im Außen- als auch im Innenbereich.“ Konventionelle Schweinehalter haben derzeit die Lüftung in den Ställen auf die höchste Stufe geschaltet und lassen ihre Tiere in einigen Ställen leicht mit Wasser berieseln, wie Jana Denecke sagt. Sie ist Sprecherin der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands in Damme. „Es gibt auch die Möglichkeit, an der Wand einen kleinen Wasserfall zu installieren, wo dann die Luft vorbeizieht.“

Geflügelhalter setzen seit Jahren auf Wasserkühlung, wie Dieter Oltmann vom Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband berichtet. In den Ställen werde Sprühkühlung genutzt. Kritisch sei ein schwül-heißes Wetter. „Im Moment haben wir aber langsam steigende Temperaturen über Wochen, so dass sich die Tiere daran gewöhnen konnten“, sagt Oltmann. Auch werden den Tieren Vitamine gegeben, damit sie die Hitze besser vertragen.

Viel Wasser, viel trinken, das gilt auch für Kühe. „Die Landwirte müssen bei den Tränken auf die Sauberkeit achten, denn natürlich vermehren sich bei der Hitze auch Keime schnell“, sagt Jakob Groenewold von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Eine Folge der Hitze ist, dass das Futter für die Kühe knapp wird. Daher überlegen sich einige Landwirte, ihre Kühe schon früher als geplant zum Schlachter zu geben. Die Schlachtzahlen seien leicht gestiegen, sagt Groenewold. Für die Preise ist das aus Bauernsicht nicht gut, denn die Nachfrage nach Rindfleisch ist derzeit eher gering.