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Schauspieler Siegfried Rauch ist tot
Auf seiner letzten Reise

In seiner „Dienstkleidung“ stößt Siegfried Rauch (rechts) als Kapitän Jakob Paulsen hier mit seinen Kollegen aus der beliebten Fernsehreihe „Das Traumschiff“, Horst Naumann und Heide Keller, im Jahr 2001 in Hamburg an.
In seiner „Dienstkleidung“ stößt Siegfried Rauch (rechts) als Kapitän Jakob Paulsen hier mit seinen Kollegen aus der beliebten Fernsehreihe „Das Traumschiff“, Horst Naumann und Heide Keller, im Jahr 2001 in Hamburg an. FOTO: Ulrich Perrey / dpa
München. Mit ihm als „Traumschiff“-Kapitän gingen Millionen Fernsehzuschauer 14 Jahre lang im ZDF auf Weltreise an die fernsten Orte. Am Sonntag ist Siegfried Rauch mit 85 in seinem Haus bei München an Herzversagen gestorben. Von Fabian Nitschmann

(dpa) Wenn Siegfried Rauch über sein Leben sprach, klang das meist pragmatisch: Als er sein Studium der Architektur in München abbrechen wollte, hielt ihn das gute und günstige Mensaessen an der Uni, erzählte er kurz vor seinem 85. Geburtstag. Also studierte er einfach etwas anderes und kam so über Umwege zur Schauspielerei. Nicht zuletzt die 14 Jahre auf der Kommandobrücke des ZDF-„Traumschiffs“ machten ihn dann zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler.

Pragmatisch war Rauch auch, wenn es um das Leben und den Tod ging. Das Schicksal habe alles in der Hand, da sei er sich sicher. Und auch, dass es da „irgendetwas zwischen Himmel und Erde“ gebe, „was wir nicht so ganz begreifen können“, war für ihn ausgemacht. Überraschen lassen wollte er sich aber nicht von diesen Kräften und suchte sich vor vielen Jahren einen schönen Platz auf dem Friedhof aus – mit Alpenblick. Am Sonntag ist Rauch mit 85 Jahren in seinem Wohnort Untersöchering an Herzversagen gestorben, wie sein Manager Michael Jodl mitteilte.

Der Schauspieler hatte am Abend die Feuerwehr besucht. Jodl zufolge sackte er aufgrund des Herzversagens zusammen und fiel dann eine Treppe hinab. Der Sturz sei nicht todesursächlich gewesen. Die Feuerwache befindet sich direkt neben Rauchs Wohnhaus, berichtete Bürgermeister Rainald Huber. Der Feuerwehrkommandant habe ihm erzählt, dass Rauch auf ein Glas Wein vorbeigeschaut habe. „Das hat er öfter mal gemacht.“



Rauchs berufliches Leben hat die Rolle des „Traumschiff“-Kapitäns Jakob Paulsen besonders geprägt – und sie hat auch gut zu ihm gepasst. Kapitän Paulsen hatte eigentlich nie schlechte Laune, hilfsbereit und herzlich war er dagegen immer. Die Uniform adrett, dazu dieses vertrauenswürdige Lächeln. „Ein Kapitän muss etwas Väterliches haben“, hat Rauch einmal gesagt – und mit seiner Ruhe und Gelassenheit das auch ausgestrahlt. Anfang der 1970er Jahre gelang ihm der schauspielerische Durchbruch: 1971 spielte er in „Le Mans“ an der Seite seines guten Freundes Steve McQueen einen Rennfahrer und überzeugte. Der Sprung nach Hollywood wäre möglich gewesen, doch die bayerische Heimat war Rauch wichtiger als das große Geld in Amerika. In der ländlichen Idylle mit Blick auf die Alpen fühlte er sich wohl, seit 1973 lebte er in einem Bauernhaus. „Wenn ich arbeite, muss ich glücklich sein, und das kann ich nur in meinem Bauernhaus in Bayern und mit meiner Familie“, sagte er einmal.

Statt auf den Kinoleinwänden war Rauch seit Ende der 70er Jahre immer öfter im Fernsehen zu sehen. So jagte er etwa in der Familienserie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ ab 1977 als Spion Thomas Lieven über den Fernsehschirm – und zeigte dabei seine charmante Seite. Ab 1999 war Rauch dann für 14 Jahre das Gesicht des „Traumschiffs“. Bis zuletzt stand er als Dr. Roman Melchinger in der ZDF-Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ vor der Kamera.

Rauchs Kollegin Heide Keller, einstige Chefhostess auf dem „Traumschiff“, will die Zeit mit Siegfried Rauch in bester Erinnerung behalten. „Er war ein Kapitän, bei dem jeder Passagier, der Angst vor Wind und Wellen hat, sagt: Bei dem Mann gehe ich an Bord. Der weiß, was er zu tun hat.“