| 00:17 Uhr

Vom Auto aufs Rad
Charmeoffensive für das Radfahren

Radfahrer sind auf dem Radschnellweg in Göttingen unterwegs. Die Strecke verbindet den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Georg-August-Universität und wird zurzeit noch weiter ausgebaut.
Radfahrer sind auf dem Radschnellweg in Göttingen unterwegs. Die Strecke verbindet den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Georg-August-Universität und wird zurzeit noch weiter ausgebaut. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Salzburg. Wie lassen sich Autofahrer vom Wechsel auf das Fahrrad überzeugen? Das wird zurzeit auf dem Europäischen Radgipfel diskutiert. dpa

Staus und Luftverschmutzungen wären Geschichte, würden mehr Menschen auf das Zweirad und ihre Muskelkraft setzen. In vielen Städten wird darüber gegrübelt, wie man Radfahren beliebter machen kann. Denn Städte wie Münster – hier legen die Menschen 43 Prozent ihrer Wege mit dem Rad zurück – tragen den Titel Fahrradstadt durchaus mit Stolz. Auf dem Europäischen Radgipfel in Salzburg wird seit Montag bis einschließlich heute darüber diskutiert, wie das in noch mehr Städten gelingen kann. Besonders aussichtsreich auf positive Veränderungen für Radfahrer sind folgende Bereiche:

Radschnellwege: Besonders wichtig ist ein eigenes Streckennetz für Radler. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club verweist dabei vor allem auf die Niederlande. „Ein tolles Beispiel ist der RhijnWaalpad zwischen Arnhem und Nijmegen. Hier gibt es superleichtläufigen durchgehend rot eingefärbten Asphalt, vier Meter Standardbreite für beide Fahrtrichtungen, Vorfahrt in Kreuzungsbereichen, Raststätten mit Fahrradwerkzeug, Snacks und Wegeinfos“, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. In Deutschland gibt es in Göttingen einen ähnlichen Radschnellweg. Dieser verbindet den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Georg-August-Universität und wird sogar noch weiter ausgebaut. Ein weiterer Radschnellweg entsteht auch zwischen Dortmund und Hamm, zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr ist er bereits befahrbar. Den meisten Betrieb gebe es auf dem Weg zu den klassischen Berufsverkehrszeiten – aber eben ohne großen Stau.



Bildung: Parallel zum Schwimmunterricht auch ein paar Radfahr-Stunden in der Schule? Martin Blum hält das durchaus für eine diskussionswürdige Idee. „Wir brauchen Radfahr-kompetente Kinder“, sagt der Experte der Mobilitätsagentur Wien. Der Sportunterricht könnte auch mal aus einer Fahrradtour bestehen, sagt Blum.

Verkehrsführung und Infrastruktur: Rote Ampeln, Einbahnstraßen, Autos: Das sind nur ein paar Hindernisse, die Radfahrer im Alltag aufhalten – und auch in Gefahr bringen. Wichtig ist daher eine intelligente Verkehrsführung in Kommunen, sagt Bernhard Gutzmer, Fahrradbeauftragter der Stadt Freiburg. Dass die Stadt eine der fahrradfreundlichsten Orte Deutschlands ist, liege vor allem am kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur. So laufen quer durch die Stadt zwei Radvorrangrouten, auf denen Radfahrer fast freie Bahn haben. Zudem setzt die Stadt im Innenstadtbereich auf Tempo 30-Zonen, um den Radverkehr sicherer zu machen. Die Zahlen sprechen für sich: Laut Gutzmer konnte der Anteil der Radfahrer in Freiburg seit 2010 um 40 Prozent gesteigert werden.

Sicherheit: Mit dem Drahtesel eingeklemmt zwischen Lastwagen und dem Bordstein zur Arbeit – ohne sichere Wege steigt keiner gern aufs Rad. Geschützte Radfahrstreifen könnten die Situation aber schon bald verbessern. Noch Ende dieses Monats soll etwa in Berlin der erste dieser Wege auf der Holzmarktstraße fertiggestellt werden. Auf beiden Fahrbahnseiten gibt es für Radfahrer dann einen farblichen markierten, 3,5 Meter breiten Weg, der mit Pollern von den Fahrbahnen für die Autos abgetrennt ist.

Fahrrad-Leasing: Arbeitgeber können mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie Beschäftigten statt einem Dienstauto ein Dienstfahrrad bieten, sagt Tassilo Holz von Job-Rad. Das Freiburger Unternehmen ist deutschlandweit einer der größten Anbieter im Bereich Dienstrad-Leasing. Das Geschäftsmodell von Job-Rad ist denkbar einfach: Arbeitnehmer suchen sich ein Fahrrad aus – in 60 Prozent der Fälle ist das ein E-Bike – der Arbeitgeber least das Rad und überlässt es dem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Im Gegenzug behält er einen kleinen Teil des Bruttogehalts des Arbeitnehmers ein und bedient damit die Leasingrate. Laut Holz kooperiert Job-Rad bundesweit bereits mit rund 5000 Fahrradhändlern und über 10 000 Arbeitgebern.